Mit 3:2 Bronze geholt

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11. Juli 2010, 12:06 Uhr

Port Elizabeth (dpa) - Nochmal Jubel zum Abschied - mit letzter Kraft hat sich die ersatzgeschwächte deutsche Fußball- Nationalmannschaft im Regen von Port Elizabeth mit einem 3:2 (1:1)-Erfolg gegen Uruguay Bronze bei der Weltmeisterschaft erkämpft.
Mit seinem ersten Länderspieltor in der 82. Minute bescherte Sami Khedira dem Team von Bundestrainer Joachim Löw vor 36 254 Zuschauer im Nelson Mandela Bay Stadion im Spiel um den dritten Platz den Sieg gegen die Südamerikaner.
«Wir gehen nicht mit leeren Händen nach Hause. Die Mannschaft ist verdient Dritter geworden und hat heute in der zweiten Halbzeit hervorragend gekämpft», sagte Löw nach dem erfolgreichen Schlusspunkt unter ein gutes Turnier. DFB-Chef Theo Zwanziger war einfach «stolz auf diese junge Mannschaft». «Deutschland kann froh sein, so eine Truppe zu haben», sagte Torhüter Hans-Jörg Butt, der bei einem ersten Turniereinsatz eine starke Leistung ablieferte.
«Wir waren 1:2 hinten und sind dann wiedergekommen, das zeigt unsere Charakterstärke. Ich bin sehr stolz, dass ich mit dieser Mannschaft das Turnier bestreiten durfte», sagte Bastian Schweinsteiger, der den erkrankten Philipp Lahm als Kapitän vertrat. «Wir haben heute Moral bewiesen. So macht es einfach Spaß, es ist sensationell. Wir haben uns nicht verunsichern lassen», fügte Marcell Jansen hinzu, dem in der 56. Minute das 2:2 gelungen war. Aus den Händen von FIFA-Präsident Joseph Blatter hatten die Spieler zuvor ihre bronzenen Plaketten erhalten.
Thomas Müller (19.) hatte das Team mit seinem fünften WM-Tor in Führung gebracht. Edinson Cavani (28.) und Diego Forlan (51.) trafen für die Südamerikaner. Glück hatte die deutsche Mannschaft, dass ein Freistoß des nun ebenfalls fünffachen WM-Torschütze Forlan (90.+3 ) an die Latte prallte.
Die interessanteste Frage ist nun, ob das 56. eventuell auch das letzte Länderspiel für Löw gewesen ist. Die Zeichen sprechen indes dafür, dass der 50-Jährige einen weiteren Zweijahresvertrag bis 2012 erhält. «Es würde uns sehr freuen, wenn Joachim Löw bleibt», sagte Khedira. «Ich brauche jetzt ein paar Tage Ruhe und Abstand, um in mich zu gehen. Ich werde eine zeitnahe Entscheidung treffen», kündigte der umworbene Coach an.
In einer Begegnung ohne taktische Zwänge warf die deutsche Mannschaft anders als im Halbfinale wieder ihre großen spielerischen Qualitäten in die Waagschale und holte sich zum vierten Mal nach 1934, 1970 und 2006 den dritten WM-Platz. Mit dem zuletzt wegen seiner Sperre fehlenden Müller kehrte auch wieder der gegen Spanien vermisste Zug zum Tor zurück. Der 20-jährige Bayern-Youngster zog in der WM-Torschützenliste mit den Führenden gleich und empfahl sich mit seiner Leistung für die Wahl zum besten Jungprofi des Turniers.
Schweinsteiger, neben Mesut Özil Kandidat für den Goldenen Ball als bester WM-Spieler, war einmal mehr Kopf des Teams und kämpferisches Vorbild. Pech für den Münchner, dass sein einziger schwerer Schnitzer im Turnierverlauf zum 1:1 führte. Dagegen wirkte Özil oft verspielt und erwies sich im Abschluss erneut als Zauderer.
Der erkältete Bundestrainer, der das Geschehen mit einem wärmenden Schal verfolgte, hatte die Elf des Spanien-Spiels auf fünf Positionen verändert. Lahm, der bis dahin alle 540 Turnier-Minuten absolviert hatte, war ebenso wie Podolski wegen eines Grippe-Virus zum Zuschauen verurteilt. Rückenbeschwerden brachten Miroslav Klose um seinen 20. WM-Einsatz und damit die Chance, mit dem Brasilianer Ronaldo (15 Treffer) gleichziehen zu können.
Sein persönliches WM-Abschiedsgeschenk erhielt Butt. Der 36-Jährige stand bei seinem dritten großen Turnier erstmals zwischen den Pfosten, weil Tim Wiese wegen einer Schleimbeutelentzündung passen musste. Weil Serdar Tasci in der 90. Minute zu seinem WM-Debüt kam, blieb der Bremer Schlussmann als einziger aus dem 23-köpfigen Kader ohne Einsatz in Südafrika.
Die deutsche Mannschaft begann ihr 99. WM-Spiel mit dem Schwung aus der Argentinien-Partie. Eine Ecke von Özil leitete in der 10. Minute die erste große Möglichkeit durch Arne Friedrich ein. Der künftige Wolfsburger köpfte den Ball an die Latte und verpasste damit sein zweites Länderspiel-Tor knapp. Acht Minuten später konnte niemand Müller an seinem fünften Turnier-Tor hindern. Nachdem Fernando Muslera einen knallharten 30-Meter-Schuss von Schweinsteiger nach vorne abprallen ließ, reagierte der Bayern-Spieler schnell wie einst Namensvetter Gerd und staubte zum 1:0 ab.
Zwar drängte das Team weiter auf das zweite Tor, musste aber wenig später den Ausgleich hinnehmen. Nach einem Ballverlust des bis dahin fehlerfreien Schweinsteiger am Mittelkreis gegen Diego Perez nutzten die Südamerikaner ihr 3:2-Übergewicht. Cavani lief nach Zuspiel von Luis Suarez alleine auf Butt zu und ließ dem Team-Senior mit seinem Flachschuss keine Chance. Als Suarez nach Khedira-Fehler zum Abschluss kam, drohte sogar das 1:2, doch der Schuss des Angreifers flog knapp an der langen Ecke vorbei.
Drei Minuten nach Wiederbeginn stand Butt in seinem 4. Länderspiel erneut im Brennpunkt und verhinderte kurz nacheinander gegen Cavani und Suarez einen weiteren Einschlag. Doch gegen die Direktabnahme von Forlan nach Maßflanke von Egidio Arevalo war auch der Münchner Schlussmann absolut machtlos. Doch die deutsche Elf rappelte sich schnell wieder auf, und Jansen köpfte die Flanke von Jerome Boateng an dem zaudernden Muslera vorbei zum 2:2 ein. Im Schlussspurt gelang doch sogar noch der Sieg. Nachdem der eingewechselte Stefan Kießling das 3:2 verpasst hatte, war Khedira zur Stelle.

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