Pflanzenbräuche zu Weihnachten : Misteln zum Fest bringen Glück

Misteln - die uralten Glücksbringer aus Frankreich sind in heutigen Zeiten auch auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt im Angebot.
Misteln - die uralten Glücksbringer aus Frankreich sind in heutigen Zeiten auch auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt im Angebot.

Pflanzenbräuche zu Weihnachten: Immergrüne Zweige gelten von jeher als Zeichen ewiger Lebenskraft in dunkler Jahreszeit

svz.de von
24. Dezember 2013, 09:44 Uhr

Schon in vorchristlichen Zeiten begingen die Menschen mitten im dunklen Winter Feste mit nächtlichem Feuer, um den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit zu feiern. Der Mittwinter, die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag des Jahres, verhieß Hoffnung auf Wärme und neues Leben. Die Bauern sagten, es würde von nun an jeden Tag um einen Hahnentritt länger hell.

Immergrüne Zweige als Zeichen ewiger Lebenskraft spielten in der dunklen Jahreszeit eine wichtige Rolle im Glauben der Menschen, waren sie doch in viel stärkerem Maße als wir Heutigen abhängig von der Fruchtbarkeit der Natur.

Alte Zauberkräuter um die Zeit der Wintersonnenwende sind die Mistel und die Stechpalme. Der Schleim der weißen Früchte der Mistel symbolisierte den männlichen Samen, während die roten Beeren der Stechpalme für die weibliche Lebensenergie standen.

Die Mistel wächst auf Bäumen, nicht auf der Erde. Sie ist immergrün und streckt ihre Zweige kugelförmig nach allen Seiten. Zudem trägt sie noch mitten im kalten Winter weiße perlenartige Früchte. Das verlieh ihr im Volksglauben magische Kräfte. So galt die immergrüne Mistel als Zeichen für Fruchtbarkeit und die kosmische Kraft des Himmels. Die Druiden, die Priester der Kelten, schnitten ihre Zweige rituell für die Neujahrsfeiern von Eichen – sie sollten die größte Zauberkraft haben.

Noch heute ist die Mistel vor allem in England und Frankreich beliebter Weihnachtsschmuck. Wer sich unter den Mistelzweigen begegnet, darf sich küssen. Ein Brauch, der sich auch bei uns ausbreitet.

Stechpalmenzweige über Haus-und Stalltüren sollten einst Menschen und Tiere vor dem Bösen bewahren. Mit ihren gezackten, glänzenden Blättern und den leuchtend roten Beeren galt die Stechpalme als Sinnbild des ewigen Lebens und der weisen Voraussicht. Für die Kelten war der Ilex ein heiliger Baum. Sie hängten Stechpalmenzweige in der Nacht der Wintersonnenwende zum Schutz gegen Blitzschlag, Hexerei und Tod im Haus auf.

In der späteren christlichen Umdeutung wurden die stachligen Blätter zur Dornenkrone und die roten Beeren zum Blut Christi. Vor allem in England und in Skandinavien beim Julfest ist die Stechpalme noch immer bevorzugte weihnachtliche Dekoration und ziert weihnachtliche Grußkarten.

Rot und grün waren schon in alten Zeiten traditionelle Weihnachtsfarben. Grün symbolisierte den Ackersegen, Rot stand für das Leben und Gold für das Licht. Der immergrüne Baum als geschmückter Lichterbaum im häuslichen Kreis ist erst etwa seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bekannt, als Zunftbaum des städtischen Handwerks schon eher, in Mecklenburg frühestens etwa seit Anfang des 18.Jahrhunderts. Er verbreitete sich zunächst an europäischen Königs- und Fürstenhöfen, im städtischen Großbürgertum und auf großen Landgütern. Oft hing das Bäumchen mit der Spitze von der Decke herab. Dienten zunächst auch Buchsbaum, Eiben und Wacholder dem Brauch, dominierten später Nadelbäume. Erst im 19. Jahrhundert hielt der immergrüne Baum in die „Gute Stube“ der deutschen bürgerlichen Familie Einzug und wurde kirchliches Weihnachtssymbol. Rote Äpfel und vergoldete Nüsse galten als Segensfrüchte. Der Apfel stand als Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit. Nüsse und Äpfel gehörten zu vielen Orakeln. In früheren Zeiten bekamen die Kinder um die Zeit des Mittwinters getrocknete Früchte und nahrhafte Nüsse geschenkt, um den harten Winter zu überleben, waren sie doch die Hoffnung der Gemeinschaft.

Magisch und kraftvoll erschienen unseren Vorfahren auch im Winter blühende Pflanzen. Zu ihnen zählt die Schwarze Nieswurz – die Christrose. Sie gehörte zum Weihnachtsschmuck, vor allem auf dem Lande und galt zugleich als Orakelblume. Zwölf Knospen in der Vase kündeten vom Wetter im kommenden Erntejahr.

Ihre schönen weißen Blüten und die grünen Blätter trotzen der Winterkälte. Diese Kraft sollte böse Geister und Seuchen bannen. Aus ihrer schwarzen Wurzel wurde Niespulver gewonnen. Früher glaubten die Menschen, beim Niesen würden die Krankheitsdämonen ausgetrieben.

Die geheimnisvolle, sehr giftige Schöne, auch Schneerose oder Weihnachtsblume genannt, galt als Bestandteil der Hexensalben und gar als Mittel für die ewige Jugend.



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