Millionenstrafe für Musik-Download

Songs geklaut, hart bestraft: In den USA ist eine Frau wegen des illegalen Downloads von 24 Musiktiteln zu einer Strafe von 1,9 Millionen Dollar verurteilt worden.
Songs geklaut, hart bestraft: In den USA ist eine Frau wegen des illegalen Downloads von 24 Musiktiteln zu einer Strafe von 1,9 Millionen Dollar verurteilt worden.

Songs geklaut, hart bestraft: In den USA ist eine Frau wegen des illegalen Downloads von 24 Musiktiteln zu einer Strafe von 1,9 Millionen Dollar verurteilt worden. Ein billigerer Ausweg wäre eine außergerichtliche Einigung - die Musikindustrie ist bereit dazu.

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19. Juni 2009, 04:36 Uhr

Washington (dpa) - Sie nennt sich selbst «einen Riesen-Musikfan», Hunderte CDs hat Jammie Thomas-Rasset (32) daheim. Jetzt ist ihr die Leidenschaft zum Verhängnis geworden.

Weil die vierfache Mutter 24 Titel aus dem Internet illegal über eine Tauschbörse herunterlud und gleichzeitig weiterverbreitete, soll sie nach dem Urteil eines Gerichts im US-Staat Minnesota vom Donnerstag (Ortszeit) die astronomische Summe von 1,9 Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro) zahlen. Mehr als 30 000 Klagen hat die US-Musikindustrie wegen des illegalen Verbreitens im Internet bis heute angestrengt - der Fall von Jammie Thomas-Rasset ist bislang der einzige, der vor Gericht kam.

80 000 Dollar pro Song

Die Jury befand sie in dem Wiederaufnahmeverfahren nach Medienberichten für schuldig, 24 Musiktitel, darunter Stücke von No Doubt, Linkin Park, Gloria Estefan und Sheryl Crow, illegal heruntergeladen und dann über die Musiktauschbörse «Kazaa» verbreitet zu haben - laut Gericht eine Verletzung des Urheberrechts. Jeder einzelne Verstoß wurde mit einer Strafe von 80 000 Dollar belegt. Nach Angaben des Anwalts hätte der rechtmäßige Kauf der Musikstücke jeweils nur 99 Cent gekostet.

Eine Vertreterin des Verbandes der US-Plattenindustrie RIAA zeigte sich derweil erfreut über das Urteil. «Wir wissen die Entscheidung der Jury zu würdigen, und dass sie diese Dinge so ernst nimmt wie wir», sagte Cara Duckworth. Um die sechs Milliarden Dollar Verluste und tausende verlorene Jobs soll das sogenannte Filesharing im Internet der US-Plattenbranche in den vergangenen Jahren beschert haben. Weltweit sind die CD-Verkäufe seit der Jahrtausendwende eingebrochen.

Mutter will Berufung oder außergerichtliche Einigung

Andere haben indes Zweifel, ob die hohe Strafe gerechtfertigt ist. «Die unverhältnismäßige Höhe der Strafe wirft verfassungsrechtliche Fragen auf», sagte Fred von Lohmann, Anwalt der Verbraucherorganisation Electronic Frontier Foundation der Fachagentur Bloomberg.

Jammie Thomas-Rasset zeigte sich von dem Ausgang des viertägigen Indizien-Prozesses geschockt und will Berufung einlegen oder eine außergerichtliche Einigung erzielen. «Das einzige, was ich sagen kann, ist: Viel Glück bei dem Versuch, es (das Geld) von mir zu bekommen», meinte sie nach der Urteilsverkündung mit Tränen in den Augen. Einem nackten Mann könne man nicht in die Tasche greifen.

Auch in Deutschland wird massenweise abgemahnt

Die Mutter stand wegen der Vorwürfe schon einmal vor Gericht. Bei einem ersten Verfahren 2007 verurteilte die Jury sie zur Zahlung von 9250 Dollar pro Song - insgesamt 222 000 Dollar. Doch der Vorsitzende Richter verwarf seinerzeit das Urteil wegen eines Rechtsfehlers. Der zweite Anlauf endete für Thomas-Rasset nun noch weit schlimmer. Alles in allem wirft ihr ein halbes Dutzend Plattenfirmen vor, in mehr als 1700 Fällen Copyright-Verletzungen begangen zu haben, berichtete die Zeitung «Minneapolis Star Tribune». Der Einfachheit halber beschränkte sich das Gericht auf 24 Songs, deren unrechtmäßige Verbreitung die Kläger mit Hilfe von Netzwerk-Experten nachweisen wollten. Thomas-Rasset bestritt indessen bis zuletzt ihre aktive Beteiligung und auch die rechnergesteuerte Aussendung von Musikdateien.

Vielleicht gibt es aber für sie noch einen billigeren Ausweg. «Vom ersten Tag an waren wir bereit, diesen Fall außergerichtlich beizulegen», sagte Plattenindustrie-Sprecherin Cara Duckworth. «Und daran halten wir fest.» Wie es hieß, soll Thomas-Rasset zu einem früheren Zeitpunkt eine Einigung in der Größenordnung zwischen 3000 und 5000 Dollar angeboten worden sein.

Im Gegensatz zur deutschen Justiz arbeitet die amerikanische oft mit dem sogenannten Strafschadenersatz - die Strafe soll wehtun. Daher seien enorme Summen wie in diesem Fall nichts Außergewöhnliches, sagte der Stuttgarter IT-Rechtsexperte Carsten Ulbricht. Ein Verurteilter in Deutschland müsse in der Regel nur den materiell entstandenen Schaden ersetzen. Es sei denn, es geht etwa nach einer Körperverletzung um Schmerzensgeld. Trotzdem kann illegales Herunterladen und das Weiterverbreiten der Musikdateien, wie es in den Filesharing-Börsen quasi automatisch passiert, auch in Deutschland zum teuren Spaß werden. Plattenfirmen hätten deshalb mit Unterstützung von Experten schon massenweise Internetnutzer abgemahnt.

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