Milchbauern fordern faire Preise

Von der Protestaktion betroffen war auch die Rücker’s Ostsee-Molkerei in Wismar. Fast zwei Stunden lang blockierten Landwirte die Zufahrt. Michael Schmidt
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Von der Protestaktion betroffen war auch die Rücker’s Ostsee-Molkerei in Wismar. Fast zwei Stunden lang blockierten Landwirte die Zufahrt. Michael Schmidt

Einen Tag vor der Eröffnung von Norddeutschlands größter Agrarmesse in Mühlengeez haben Milchbauern gestern erneut für faire Preise demonstriert. Protestaktionen gab es auch in Upahl und Wismar.

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10. September 2008, 08:12 Uhr

Nordwestmecklenburg - Während in Upahl das Werkstor der größten Meierei des Landes offen blieb, blockierten in Wismar Landwirte Rücker’s Ostsee-Molkerei. Fast zwei Stunden lang standen dort die Milchlaster still.

Vor dem Werkstor forderten Landwirte wie Siek Postma einen Basispreis von 43 Cent je Liter Milch. „Wenn nicht sofort reagiert wird, werden wir in den nächsten Monaten ein weiteres Milchpreisdesaster erleben. Dieses mit zu tragen, sind wir nicht mehr bereit“, sagte Postma.

Durch die passive Haltung der Molkereiwirtschaft sei bislang verhindert worden, deutliche Marktsignale auszusenden. Die Quittung: Der Lebensmitteleinzelhandel nutze die Chance und könne die Einkaufspreise für Milchprodukte nach unten fahren, warnt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Um einen weiteren Preisverfall zu stoppen, fordert der BDM die Molkereien in einer Resolution auf, sich gegen eine Erhöhung der Milchquote einzusetzen.

Ein Vertreter der Molkereiwirtschaft wies den Vorwurf der Passivität zurück und attackierte seinerseits den BDM. Diesem Verband gehe es offenbar nur darum, in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erzielen und am Eröffnungstag der MeLa in Mühlengeez in den Zeitungen zu stehen. Deutliche Worte fand auch der Geschäftsführer der Ostsee-Molkerei, Klaus Rücker: „Diese Protestaktion richtet sich an die falsche Adresse. Wir als Milchverarbeiter sind nicht diejenigen, die das Angebot und die Nachfrage entscheidend verändern können. Die Milchbauern sind für diese desolate Situation selbst verantwortlich, weil sie die Produktion an Milch drastisch erweitert haben.“

Rücker’s Ostsee-Molkerei zahlt nach eigenen Angaben derzeit 30 Cent je Liter Milch an Lieferanten. Einen Schadenersatzanspruch wegen der Blockade wolle das Unternehmen nicht geltend machen.
Die Milch produzierenden Landwirte ärgert, dass sie auch gut 100 Tage nach dem bundesweiten Lieferstopp nicht Kosten deckend produzieren können. Sie fordern erneut Hilfe seitens der Politik. Proteste wegen des Milchpreises gab es auch in Dargun, Altentreptow, Waren an der Müritz, Hagenow und Karstädt.

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