Mieterbund gegen Verkauf: Wohnungen werden zur Handelsware

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08. Juli 2008, 01:38 Uhr

Greifswald - Unmittelbar vor der Entscheidung der Greifswalder Bürgerschaft hat der Deutsche Mieterbund vor einem Verkauf von Anteilen der kommunalen Wohnungsgesellschaft WVG gewarnt. „Mit einem Verkauf werden Wohnungen zur Handelsware“, sagte der Sprecher des in Berlin ansässigen Verbandes, Ulrich Ropertz. Mittelfristig seien gravierende Nachteile für Mieter, Kommune und Beschäftigte zu erwarten.

Mieterbund: Höherer Mieten oder schlechterer Service wahrscheinlich

Selbst wenn - wie in Greifswald - nur Minderheitenanteile von Wohnungsgesellschaften veräußert würden, habe der Investor großes Interesse, Gewinn zu machen. „Dies ist nur möglich, wenn entweder am Personal gespart wird, Wohnungen seltener modernisiert oder langfristig Mieten angehoben werden“, sagte Ropertz. Fraglich sei zudem, ob die von der Kommune geplante Entschuldung langfristige Effekte haben werde.

Städtetag: Greifswald "vorbildhaft"

Der Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommerns hingegen hatte am Montag die Greifswalder Verkaufspläne als vorbildhaft bezeichnet. Die Hansestadt wäre nach Angaben des Mieterbundes die erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern die sich im großen Stil von kommunalem Eigentum im Wohnungssektor trennen würde.

Schwerin tut es nicht, Rostock überlegt noch

In Rostock und Schwerin war ebenfalls der Verkauf von Wohnungen erwogen worden, um die Haushaltskassen zu füllen. In Schwerin sind die Pläne vom Tisch, in Rostock steht eine endgültige Entscheidung dagegen noch aus.

Verlockend: Mit einem Schlag Schulden abbauen

In Greifswald entscheidet die Bürgerschaft am Abend über den auch dort umstrittenen Verkauf. Für 49,9 Prozent der Gesellschafteranteile an der WVG mit insgesamt rund 10 000 Wohnungen haben zwei Bieter, die DKB Immobilien AG und die KWG Kommunale Wohnen AG Bremerhaven, jeweils rund 60 Millionen Euro geboten. Es wird mit einer knappen Entscheidung gerechnet. Mit den Einnahmen will die Stadt ihre Schulden von 17 Millionen Euro mit einem Schlag abbauen.

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