Methling zu Linke: Natter, die man nährte

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19. April 2009, 05:54 Uhr

Schwerin | Die Generalkritik von Ex-Sozialministerin Marianne Linke (Linkspartei) an der Kandidatur von Ex-Arbeitsminister Helmut Holter zum Vorsitzenden der Linksfraktion im Landtag gerät zur öffentliche Schlammschlacht. Heute beschäftigt sich der Landesvorstand der Linkspartei mit bei seiner Tagung in Demmin damit.

Noch-Fraktionschef Roland Methling reagierte mit ausgesprochen scharfen Worten auf den Brand-Brief der ehemaligen Sozialministerin gegen Holter. Methling gestern zu unserer Zeitung: "Ich stelle mir die Frage, wie jemand, der acht Jahre u.a. als Ministerin im Zentrum der Politik der Linkspartei gearbeitet hat, solche fundamentale Kritik äußern kann, als sei sie nicht dabei gewesen."

In einer eigenen Reaktion schreibt Methling an Marianne Linke: "Sicher kann man zu einzelnen Genossen, auch zu Helmut Holter und seiner Arbeit und Politik, unterschiedlicher Auffassung sein. Aber wenn man persönlich und politisch davon profitiert hat..., ist dieses nicht nur unverständlich, sondern in höchstem Maße unanständig. Mir drängt sich das Bild von der ,Natter, die man an seinem Busen genährt hat auf."

Marianne Linke hatte in einem dreiseitigen Brief Holter "Skandale" während dessen Amtszeit vorgeworfen sowie "vermeintliche und tatsächliche Verquickungen von persönlichen und dienstlichen Belangen bei der Vergabe von Fördermitteln". Die Vorwürfe wiegen um so schwerer, da sie auch Holters politische Arbeit diskreditierte: "Die fachliche Bilanz des Arbeitsministeriums sah... ähnlich traurig aus." Ihr Vorwurf: Dieser Politik sei die Wahlniederlage 2002 geschuldet, bei der die damalige PDS auf 16,8 Prozent Wählerstimmen von einst 24,4 Prozent rutschte. Linke wandte sich damit direkt gegen Holters Kandidatur als Fraktionsvorsitzender und zudem gegen ein Junktim zwischen der Wahl zum Fraktionschef und der Nominierung zum Spitzenkandidaten 2011. Gegenüber unserer Zeitung forderte Frau Linke eine Ur-Wahl des Spitzenkandidaten.

Ihr Brand-Brief forderte ein Dutzend Gegenbriefe heraus, die die Nominierung des Fraktionschefs zur öffentlichen Schlacht werden ließen. Nur ein Politiker unterstützte die Ex-Sozialministerin. Noch einmal Methling, der nach einer schweren Operation seinen Verzicht auf das Amt erklärt hatte, und der 2004 als Protegier Linkes bei deren Wahl zur Ministerin galt: "Wie kann man als ehemalige Mitarbeiterin des Umweltministeriums und Sozialministerin eine solche Pauschalkritik der eigenen Politik vornehmen? Ich kann mich nicht erinnern, dass du in unserer gemeinsamen Regierungszeit dagegen protestiert hast." Bis gestern Nachmittag fand sich kein Gegenkandidat zu Holter.

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