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18. August 2017 | 01:28 Uhr

Metall-Bande vor Gericht

vom

Rostock | Großes Aufgebot im Landgericht Rostock. Aus allen Himmelsrichtungen sind die Justizfahrzeuge auf den Hof gefahren, die die Angeklagten Sadik K. (52), Senaid H. (25), beide aus Bosnien Herzegowina, den Kroaten Mario V. (33) sowie die Rostocker Sandy L. (34), Frank L. (32) und Christian O. (30) zum Prozessauftakt brachten. Die sechs stehen wegen Bandendiebstahls und gewerbsmäßiger Hehlerei vor Gericht. Sie sollen von September 2009 bis März 2011 Buntmetalldiebstähle im großen Stil begangen haben. Geschätzter Gesamtschaden: 500 000 Euro.

Über Scheinfirmen ging die Beute nach Schwerin

Und so soll es abgelaufen sein: Die Angeklagten entwickelten eine regelrechte Arbeitsteilung. Während die drei Rostocker für den Part des Buntmetalldiebstahls zuständig waren, übernahmen die Mitangeklagten aus Kroatien und Bosnien den Ankauf und die Weiterveräußerung der Beute. So sollen die Rostocker Angeklagten in elf Fällen mit wechselnder Beteiligung aus verschlossenen Lagerhallen in Ribnitz-Damgarten, Boizenburg, Wismar, Rostock und Umfeld vor allem Kupferkabelrollen gestohlen haben. In einer Nacht im September 2009 entwendeten sie zum Beispiel aus einer Halle in der Erich-Schlesinger-Straße 22 Stück im Wert rund 55 000 Euro. Auch die Rostocker Dachbaufirma in der Karl-Hopp-Straße stand auf ihrer Liste. Hier sollen sie Kupferdachrinnen im Wert von 11 000 Euro gestohlen haben. Besuch erhielten auch die Rostocker Stadtwerke und die hiesige Filiale von Eon-Edis, wo wertvolle Werkzeuge und ebenfalls Kupfertrommeln gestohlen wurden.

Der Absatz der Beute war gut organisiert. Die Diebe lieferten das Buntmetall zunächst nach Kavelstorf in eine Lagerhalle, die der Angeklagte Senaid H. angemietet haben soll. Über den Schrotthandel des Angeklagten Sadik K. in Breesen sei die Beute über extra hierfür gegründete Scheinfirmen nach Schwerin zur Firma Inter-Sero gebracht und dort verkauft worden. Deren Mitarbeiter wurden offensichtlich nicht einmal stutzig.

Mildere Strafe nur bei qualitativem Geständnis

Gestern gaben sich die Angeklagten gnädig. Sie seien bereit, ein Geständnis abzulegen, wenn sie im Gegenzug moderate Strafen erhielten. Mit der Staatsanwaltschaft war dieser Deal ausgehandelt worden. Aber ganz so lief es gestern nicht. Die 1. Große Strafkammer ließ sich die Sache nicht aus der Hand nehmen. Sie beschloss, dass bei einem aufklärenden Geständnis Strafen zwischen zwei Jahren und dreieinhalb Jahren möglich seien. "Die Qualität des Geständnisses ist entscheidend", so der Vorsitzende Richter.

Die Angeklagten sitzen seit 15. Juni in den Vollzuganstalten Neubrandenburg, Stralsund, Bützow und Waldeck in Untersuchungshaft.

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erstellt am 13.Dez.2011 | 07:16 Uhr

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