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24. November 2017 | 17:39 Uhr

Merkel und Medwedew drehen am Gashahn

vom

svz.de von
erstellt am 07.Nov.2011 | 09:01 Uhr

Lubmin/Zug | Die Ostsee-Pipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland geht in Betrieb. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wird am deutschen Anlandepunkt in Lubmin bei Greifswald heute der Gashahn für den ersten Strang der 1224 Kilometer langen und 7,4 Milliarden Euro teuren Trasse des russisch-europäischen Firmenkonsortiums Nord Stream aufgedreht. Damit wird erstmals russisches Erdgas direkt nach Deutschland und Westeuropa strömen.

Russland ist nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) mit 637 Milliarden Kubikmetern pro Jahr der größte Gas-Exporteur der Welt. Die neue Nord-Stream-Trasse hat im Endausbau eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr.

In einem symbolischen Akt mit rund 400 Gästen werden der russische Staatspräsident Dimitri Medwedew und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit weiterer europäischer Politprominenz die Ostseepipeline und die anschließende Festlandleitung Opal in Betrieb nehmen. Über die 470 Kilometer lange Opal in Richtung Süden wird das Gas in das europäische Erdgasnetz eingespeist. Erwartet werden in Lubmin der französische Premierminister François Fillon, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sowie EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Auch der Vorsitzende des Nord-Stream-Aktionärsausschusses, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, wird nach Lubmin kommen. Er hatte 2005 zusammen mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin das in Polen und im Baltikum umstrittene Projekt auf den Weg gebracht.

Der Festakt wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen einige Kilometer vom Seebad entfernt auf dem Industriehafengelände stattfinden. Gaslieferant ist der russische Energiekonzern Gazprom, der mit 51 Prozent Gesellschafteranteilen die Nord Stream AG dominiert. Das Gas stammt aus dem Feld Juschno-Russkoje auf der westsibirischen Halbinsel Jamal in Norden Russlands. Die Region gilt als eine der weltweit größten Lagerstätten mit geschätzten Gasreserven von mehr als einer Billion Kubikmeter. Gazprom hat bereits in mehreren EU-Staaten langfristige Verträge über Gaslieferungen abgeschlossen.

Zu den Kunden gehören Energiekonzerne in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien.

Energieexperten sehen in der Pipeline einerseits einen Beitrag zu einer größeren Energieversorgungssicherheit für Westeuropa, weil einst kritische Transitländer wie Weißrussland oder die Ukraine umgangen werden. Sie warnen aber zugleich vor einer wachsenden Abhängigkeit von russischem Erdgas und einem Preisdiktat durch Gazprom. Inzwischen gibt gibt es aufgrund neuer Fördermethoden für sogenanntes unkonventionelles Erdgas ein weltweites Überangebot an Gas.

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