Mehr Heimkinder im Kreis

GregorJohannsen
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Immer mehr Kinder und Jugendliche müssen wegen Erziehungsproblemen aus ihren Familien genommen und in Heimen betreut werden müssen. Schon lange reichen die vorhandenen Heimplätze im Landkreis Güstrow nicht mehr aus. Damit einher gehen auch stetig steigende Kosten für die teure Heimunterbringung - aktuell 4,5 Millionen pro Jahr.

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15. Oktober 2009, 09:10 Uhr

Güstrow/Bützow | Von 2004 bis 2008 stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen Verhaltensauffälligkeiten oder Problemen in ihren Familien in Heimen betreut werden müssen von 172 auf 198, bestätigt Gregor Johannsen, Leiter des Jugendamtes im Landkreis Güstrow. "Stationäre Unterbringung außerhalb des Elternhauses", heißt das im Amtsjargon. Die Gründe dafür sind vielfältig: "In der Regel ist die Situation in der Familie so weit gereift, dass Kind und Eltern nicht weiter zusammenleben können, ohne dass das Kind größeren seelischen oder körperlichen Schaden nimmt", erklärt der Amtsleiter. Meistens handele es sich um Jugendliche in der Pubertät, mit denen die Eltern einfach nicht mehr fertig würden. "Es gibt Fälle, bei denen Eltern zum Jugendamt kommen und uns bitten, ihr Kind im Heim unterzubringen, sonst würde eine Katastrophe passieren", schildert Johannsen.

Vor allem handele es sich dabei um Jugendliche im Alter zwischen zehn und 17 Jahren. Der Bedarf an Heimplätzen ist weit größer, als die im Landkreis vorhandenen. 13 stationäre Einrichtungen existieren hier mit einer Gesamtkapazität von 114 Plätzen. "Unseren Bedarf decken wir aber nicht nur im Landkreis Güstrow", sagt Johannsen. "Wir suchen für jedes Kind ein entsprechendes Angebot und bringen die Kinder auch außerhalb des Kreises unter, möglichst jedoch in MV."

Die Unterbringung ist kostspielig für den Landkreis. 80 bis 120 Euro kostet ein Heimplatz täglich. So können für ein Kind im Monat bis zu 3600 Euro zusammenkommen. Gegenwärtig muss der Landkreis 4,5 Millionen Euro pro Jahr für die stationäre Betreuung von Kindern und Jugendlichen ausgeben, informiert der Leiter des Jugendamtes. "Mit dem Anstieg der Fallzahlen sind natürlich auch die Kosten gestiegen", sagt er.

Johannsen sieht Handlungsbedarf, um die Zahl der Heimkinder im Landkreis langfristig zu reduzieren. Da viele Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder und mit dem "Familienmanagement", wie der Amtsleiter es nennt, überfordert seien, müsse ein intensiver Kontakt zu Kindern und Eltern in einer Zeit gesucht werden, wo die Erziehung noch Sinn mache, also in der Kita. "Dort müssen wir mit der Prävention ansetzen - bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", sagt der Jugendamtsleiter. Der Landkreis Güstrow wolle dafür die Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten neu strukturieren und ausbauen. Schwerpunkt sei die Elternarbeit. "In den Kitas sollen Beratungen, Kurse und Gespräche mit den Eltern stattfinden", sagt Gregor Johannsen.

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