Mehr Anzeigen wegen Gewalt in Familien

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01. Februar 2009, 05:41 Uhr

Rostock - In MV werden immer mehr Fälle von Gewalt gegen Frauen und Kinder in Familien bekannt. „Die Zahl der Anzeigen ist 2008 erneut gestiegen, die gesamte Statistik liegt aber noch nicht vor“, sagte die Schweriner Staatssekretärin für Gleichstellung, Margret Seemann, am Sonnabend in Rostock. Anlass war eine Tagung mit rund 120 Ärzten, Rechtsmedizinern und Zahnärzten, wie Gewalt in Familien früher erkannt und eher bekämpft werden kann. Bereits 2007 waren 1383 solcher Straftaten angezeigt worden, 285 Fälle mehr als 2006. Aus den Anzeigen aus dem Jahr 2007 sind in 990 Fällen Strafverfahren wegen Körperverletzung geworden, in acht Fällen auch wegen Totschlags.

Es gebe aber nicht mehr Gewalt in den Familie als früher, sondern Betroffene trauten sich inzwischen, deutlich früher Übergriffe zu melden und so Schlimmeres zu verhindern. Seemann: „Wir holen mehr Fälle aus dem Dunkeln“.

In das landesweit eingerichtete Netzwerk von Jugendämtern, Ärzten und Beratungsstellen sollen künftig auch die Zahnärzte verstärkt einbezogen werden. So stellte die Zahnärztekammer einen Beispielbefundbogen vor, der zusammen mit der Universität Greifswald entwickelt wurde, und bei den Stomatologen deponiert werden soll. Es gehe darum, mögliche Verletzungen im Gesicht frühzeitig – auch für spätere Strafverfahren – zu dokumentieren. 90 Prozent der Verletzungen solcher Gewaltfälle beträfen Kopf und Gesicht.

Das Land hat laut Seemann bei jeder der fünf Polizeidirektionen eine sogenannte Interventionsstelle eingerichtet, zudem gibt es spezielle Opferberater für Kinder. Auch Lehrer und Mitarbeiter in Kindergärten sollen intensiver geschult werden, um Gewalt in Familien früher als solche zu erkennen und Konsequenzen zu veranlassen. Helfen könne dabei auch eine eigens entwickelte interaktive Ausstellung.

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