Megapixel-Wahn: Was bei Webcams wirklich zählt

Die «Augen des Internets»: Eine vernünftige Webcam kostet heute nicht mehr die Welt. (Bild: Logitech/dpa/tmn)
Die «Augen des Internets»: Eine vernünftige Webcam kostet heute nicht mehr die Welt. (Bild: Logitech/dpa/tmn)

Video-Gruß übers Internet - mit einer Webcam wird der PC zum Bildtelefon. Bei der Suche nach dem passenden Modell lassen sich Verbraucher allerdings besser nicht von hohen Megapixel-Zahlen täuschen. Entscheidend sind Bild- und Tonqualität.

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24. Juni 2009, 05:18 Uhr

Düsseldorf (dpa/tmn) - Auflösungen von bis zu acht Megapixeln oder Bildübertragungsraten von 90 Bildern pro Sekunde stehen auf manchen Packungen. «Das ist vor allem Effekthascherei», sagt Nam Kha Pham, Webcam-Experte bei der Zeitschrift «PC Praxis». Wie bei digitalen Fotokameras sei auch unter den Herstellern von Webcams der Megapixel-Wahn ausgebrochen, ergänzt Robert Globisch vom Online-Versandhandel «computeruniverse.net» in Friedrichsdorf (Hessen) - «ohne dass das Rückschlüsse auf die Qualität der Bilder zulässt».

Ein bis zwei Megapixel reichen völlig aus

Die extremen Megapixel-Werte gelten nur für Standfotos. Und beim Plaudern in der Freizeit sind hohe Auflösungen selten zu realisieren: «Die gängigen Chatprogramme begrenzen die Auflösung auf 640 mal 480 Bildpunkte, also 0,3 Megapixel», erläutert Nam Kha Pham. «Und in den wenigsten Haushalten sind ausreichend schnelle Onlineverbindungen vorhanden, die HD-Videotelefonie im Vollbild zulassen.» Richtig hohe Raten seien bestenfalls in der Größe eines Handydisplays möglich.

Nötig sind sie sowieso nicht: «20 bis 30 Bilder pro Sekunde reichen, um Videotelefonie als flüssig wahrzunehmen», erklärt Nam Kha Pham. Selbst für betagte Rechner oder Netbooks ist das kein Problem. Zu Kameras mit mehr als den gängigen Auflösungen von 1,3 bis 2 Megapixel müssen Videochatter deshalb nicht greifen.

Auf Objektiv und Mikro achten

Was zählt, sind Bild- und Tonqualität sowie der Bedienkomfort. Viel Geld muss man für eine vernünftige Webcam nicht mehr ausgeben. Auch anerkannte Hersteller wie Logitech, Microsoft und Philips bieten Einsteigermodelle an. «Für 20 bis 50 Euro erhält man bereits eine lichtstarke Kamera mit gutem Ton», sagt Globisch. Selbst auf Eigenschaften wie Autofokus oder Gesichtsverfolgung muss man bei der mittleren Preisklasse nicht verzichten, ergänzt Nam Kha Pham.

Zentral ist das Objektiv. Auf Nummer sicher gehen Nutzer etwa mit Produkten von Carl Zeiss oder Schneider Kreuznach, die in hochwertigen Kameras stecken, so Robert Globisch. Das Objektiv sollte mit ungleichem oder schlechtem Umgebungslicht klarkommen. Auch auf ein gutes integriertes Mikro, das Umgebungsgeräusche filtert, sollte Wert gelegt werden.

Videochat am besten nur bei Datenflatrate

Als Spielerei bewertet die Stiftung Warentest die rund 80 Euro teure «Minoru 3D-Webcam» von Novo, die erste billige und einfache Lösung für dreidimensionale Videotelefonie: Ein Programm errechnet aus den Bildern der beiden im Gerät montierten Kameras ein Raumbild. Um es wahrzunehmen, tragen Betrachter eine Rot-Grün-Brille. Die Kamera funktionierte im Test reibungslos. «Technikbedingt geht jedoch der Farbeindruck verloren, und die Brillen sind unkomfortabel», erklärt Warentester Marcus Pritsch.

Im Test der Zeitscchrift «PC Praxis» siegte die QuickCam Pro 9000 von Logitech (ab rund 60 Euro). Sie punktete etwa mit einer sensiblen Belichtungsautomatik. Dahinter folgte Microsofts LifeCam Show NX-8000 (ab rund 45 Euro), die etwa durch eine sehr gute Audioqualität hervorstach. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bot die Genius iSlim 2000AFund für rund 35 Euro.

Note- und Netbooks sind oft schon mit Webcams ausgestattet. «Für gelegentliche Videochats reichen die integrierten Cams meist aus», sagt Nam Kha Pham von der Zeitschrift «PC Praxis». Und das schnelle Mobilfunk-Internet, etwa im UMTS-Netz, verführt zur Videoplauderei unterwegs. Doch Vorsicht: «Viele Provider schließen die Nutzung von Messenger-Software in ihren Geschäftsbedingungen aus.» Wer das doch tut, riskiert eine Vertragskündigung. Zudem bietet sich der mobile Videochat nur bei einer Datenflatrate an, da die Übertragungskosten sonst explodieren können.

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