Med-Ahoi-Tour statt teurer Hochglanzbroschüren

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23. Mai 2012, 09:41 Uhr

Rostock/Greifswald | Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Um Nachwuchsmediziner im Nordosten zu halten, bietet die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) Studenten der beiden Medizinischen Fakultäten des Landes Tagestouren in verschiedene Kliniken des Landes an. "In insgesamt 15 Krankenhäusern erhalten die jungen Leute Einblicke in die beruflichen Tätigkeitsfelder und Karriere-Möglichkeiten sowie die Lebensbedingungen vor Ort", erläutert KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow.

Je nach Zielregion starten die Busse der "Med Ahoi Tour 2012" in Rostock oder Greifswald. Besucht werden pro Tour drei Einrichtungen. An einem Tag geht es zum Beispiel nach Schwaan-Waldeck, Schwerin und Ludwigslust, an einem anderen stehen Teterow, Waren und Neustrelitz auf dem Tourenplan. Auch Kliniken in Stralsund, Greifswald, Bergen, Rostock, Parchim, Plau am See, Demmin, Ueckermünde und Neubrandenburg beteiligen sich an der Werbeaktion für Medizinernachwuchs.

Ihr Hintergrund ist ein simpler: Schon jetzt sind in den 39 Krankenhäusern des Landes 180 Arztstellen unbesetzt. Etwa 70 davon sind Weiterbildungsstellen, also Angebote, die sich explizit an Absolventen richten, die nach dem sechsjährigen Medizinstudium in - im Regelfall - fünf weiteren Jahren ihre Qualifikation zum Facharzt erwerben möchten.

"Wir gehen davon aus, dass vielen Medizinstudenten die Möglichkeiten gar nicht bewusst sind, die Krankenhäuser des Landes als Arbeitgeber bieten", so Gagzow. "Wenn jemand sich schon ein Bild von einer einzelnen Klinik machen konnte, dann meist entweder durch familiäre Verbandelungen - oder durch Zufall." Doch dem Zufall, so die Einstellung der Krankenhausgesellschaft, sollte man bei der Berufsentscheidung nichts überlassen. Schließlich nutzten viele Mediziner die fünf Jahre fachärztlicher Weiterbildung auch zur Familiengründung. Wo sie sich in dieser Zeit niederlassen, bleiben viele junge Mediziner deshalb auch später als Fachärzte.

Jährlich schließen mehr als 300 junge Mediziner ihr Studium in Rostock oder Greifswald ab. Doch wie an anderen Hochschulen auch gehen 20 Prozent der Absolventen anschließend in einen anderen Beruf. Von denen, die Arzt werden, wählen viele die eigene Niederlassung. Und von denen, die sich tatsächlich für die Arbeit in einem Krankenhaus entscheiden, gehen viele Absolventen aus MV in andere Bundesländer.

Gründe für die Abwanderung hat die Rostocker Universitätsmedizin bereits vor einiger Zeit untersuchen lassen - gefragt wurde zwar in Bezug auf die Bereitschaft zur Niederlassung in MV, die Ergebnisse lassen sich aber auch auf die Arbeit in einem Krankenhaus im Land übertragen. Als wichtige Hemmnisse wurden hier unter anderem die fehlende Infrastruktur in ländlichen Gebieten, das hohe Arbeitspensum, das hohe Alter der Patienten sowie fehlende Arbeitsmöglichkeiten für den Partner genannt.

Viele dieser Argumente ließen sich vor Ort entkräften, meint Wolfgang Gagzow. "Vorträge oder Hochglanzbroschüren können da sicher nicht allzu viel ausrichten. Wer sich aber vor Ort umschauen und dort auch mit Mitarbeitern ins Gespräch kommen kann, der revidiert sein Bild möglicherweise sehr schnell", so der KGMV-Geschäftsführer. Denn die Krankenhäuser im Land seien durch umfangreiche Investitionen Anfang der 90er-Jahre medizinisch und technisch auf einen so hohen Stand gebracht wurden, dass sie im bundesweiten Vergleich auf vorderen Plätzen rangierten. "Wer hier an einem Krankenhaus anfängt zu arbeiten, kommt also nicht nach Lambarene", räumt Gagzow mit einem Vorurteil über rückständige Arbeitsbedingungen in den ostdeutschen Bundesländern auf. Was aus seiner Sicht ebenfalls für die Krankenhäuser in MV spricht, sind die hohe Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter auch im pflegerischen Bereich. Nicht wegreden ließen sich bestimmte infrastrukturelle Nachteile: "Wir können die Düsseldorfer Königsallee oder den Berliner Ku’Damm nun mal nicht nach MeckPom holen", meint Gagzow. Doch durch die sehr gute Verkehrsanbindung könne man aus jedem Teil des Landes mittlerweile in eineinhalb Stunden mit Berlin oder Hamburg eine Großstadt erreichen.

Noch können sich Interessenten für einzelne Termine der "Med Ahoi Tour 2012" im Internet auf der Seite der KGMV (www.kgmv.de) registrieren. "Reisen bildet", lädt Wolfgang Gagzow zum Mitfahren ein.

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