Hintergrund: : Massive Übergriffe in Köln: Wurde zu lange geschwiegen?

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05. Januar 2016, 10:33 Uhr

2. Januar, 16.58 Uhr: Die erste Polizeimeldung

Die Kölner Polizei wendet sich am Sonnabend an die Öffentlichkeit. In einer Polizeimeldung, die die Medien über den Pressedienst OTS erhalten, versendet ein Pressesprecher die Information über „unterschiedliche Vorfälle bei denen Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind.“ Bis dahin hatten demnach knapp 30 Betroffene Anzeige erstattet und ein ähnliches Vorgehen der Täter geschildert. Die Tätergruppen variierten „von zwei bis drei, nach Zeugenaussagen nordafrikanisch Aussehenden bis zu 20 Personen. Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken - dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich.“ Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe ein.

Polizeimeldung vom 2. Januar im Wortlaut

POL-K: 160102-1-K Übergriffe am Bahnhofsvorplatz - Ermittlungsgruppe gegründet

02.01.2016 – 16:58

Köln (ots) - Im Laufe des Neujahrtages (1. Januar) erhielt die Polizei Köln Kenntnis über unterschiedliche Vorfälle bei denen Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind. In der Silvesternacht nutzten Tätergruppen das Getümmel rund um den Dom und begangen Straftaten unterschiedlicher Deliktsbereiche. Die Polizei Köln hat eine Ermittlungsgruppe zur Aufklärung der Fälle eingerichtet.

Bei der Polizei Köln und der Bundespolizei erstatteten bis zum jetzigen Zeitpunkt knapp 30 Betroffene Anzeige und schilderten in diesen Fällen die gleiche Vorgehensweise der Täter. Die Geschädigten befanden sich während der Neujahrsfeier rund um den Dom und auf dem Bahnhofsvorplatz, als mehrere Männer sie umzingelten. Die Größe der Tätergruppen variierte von zwei bis drei, nach Zeugenaussagen nordafrikanisch Aussehenden bis zu 20 Personen. Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken - dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich.

Zur Klärung der Taten und Tatzusammenhänge hat die Polizei Köln eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zur Arbeit der Ermittler gehört unter anderem die Auswertung umfangreicher Videoaufnahmen.

Weitere Geschädigte, die sich in der Silvesternacht am Bahnhofsvorplatz und um den Dom in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr aufgehalten haben und noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 12 unter der Rufnummer 0221/ 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen. (st)

 

3. Januar, 11.34 Uhr: Polizei meldet Festnahmen

Nach einem erneuten Übergriff am Hauptbahnhof nimmt die Bundespolizei fünf Verdächtige fest. Sie hatten offenbar mehrere Frauen bedrängt und bestohlen. Es muss noch geklärt werden, ob die jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren auch in der Silvesternacht auch für Taten in der Silvesternacht infrage kommt.

Die Polizeimeldung vom 3. Januar im Wortlaut

POL-K: 160103-1-K Fünf Verdächtige nach Übergriffen am Bahnhof festgenommen

03.01.2016 – 11:34

Köln (ots) - Gemeinsame Pressemitteilung der Polizei Köln und der Bundespolizei:

Heute Morgen (3. Januar) haben Beamte der Bundespolizei fünf Verdächtige (18, 19, 21, 22, 24) auf einem Bahnsteig des Breslauer Platzes festgenommen. Die Männer hatten zuvor weibliche Reisende bedrängt. Bei einem weiteren Geschädigten (25) entwendeten die Täter ein Mobiltelefon.

Gegen 4.20 Uhr gingen bei der Polizei Köln über den Notruf "110" Hinweise zu Übergriffen durch eine Personengruppe an Stadtbahnhaltestelle Dom-Hauptbahnhof ein. Sofort alarmierte Beamte der Bundespolizei stellten die fünf Verdächtigen auf dem Bahngleis 10/11 des Kölner Hauptbahnhofes. Nach Zeugenaussagen hatten drei der Täter wenige Minuten zuvor mehrere Frauen angesprochen und bedrängt. "Ich sah die Polizisten auf dem Bahnsteig. Ich meldete sofort, dass ich von zwei Männern aus der Gruppe beklaut worden war", so der 25-Jährige. Auch der Geschädigte war zuvor durch "Antänzer" körperlich bedrängt worden. Die Täter hatten versucht durch Unterhaken und Bein stellen von ihrem Vorhaben abzulenken. Es klickten die Handschellen.

In den Taschen und Jacken der Täter fanden die Beamten nicht nur das Handy des Geschädigten. Für weitere Mobiltelefone und ein Tablet konnten die in Köln nicht Wohnhaften keinen Eigentumsnachweis erbringen.

Die Bundespolizei übergab die Festgenommenen der eingerichteten Ermittlungsgruppe der Polizei Köln. Zurzeit wird geprüft, ob das Quintett für Taten aus der Silvesternacht in Betracht kommt. Die Ermittlungen dauern an. (st)

 

4. Januar, 12.12 Uhr: Einladung zum Pressegespräch

In herausragenden und besonders komplexen Fällen mit großem Medieninteresse lädt die Polizei meist zum Pressegespräch, um sich den Nachfragen der Journalisten zu stellen. Die Polizei in Köln entscheidet sich am ersten Werktag nach der Neujahrsnacht dazu.

Die Polizeimeldung vom 4. Januar im Wortlaut

POL-K: 160104-1-K/LEV Geschehnisse in der Silvesternacht - Einladung zum Pressegespräch

04.01.2016 – 12:12

Köln (ots) - Aufgrund der aktuellen Geschehnisse auf dem Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht lädt die Polizei Köln zu einem heutigen (4. Januar) Pressegespräch um 14 Uhr in das Polizeipräsidium Köln, Forum 3, Walter-Pauli-Ring 2-6, 51103 Köln, ein.

Darin wird unter anderem über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichtet.

Es wird gebeten, von Anfragen zu diesem Thema bis zum dem Termin abzusehen. (bk)

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