Mann des Übergangs

svz.de von
13. März 2013, 09:19 Uhr

Es ist der große Unbekannte. Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires. Der Kandidat, den niemand so richtig auf der Liste hatte, garantiert kein Favorit bei den Buchmachern. Es ist der erste Nicht-Europäer seit ewiger Zeit. Der erste Franziskus, der erste Papst aus dem Jesuitenorden überhaupt. Ein Papst der Premieren, oder doch eher ein gebrechlicher Übergangskandidat?

Mit dem 76-jährigen Argentinier wird die katholische Kirche jedenfalls stärker als bisher als wahrhaft globale Organisation auftreten können. Bergoglio kennt die Situation in Südamerika, er kommt aus einem Land, das unter der weltweiten Wirtschaftskrise so stark leidet wie kaum ein Zweites.

"Kardinal der Armen" hat man ihn genannt. In der weltweiten Debatte um Globalisierung kann er eine starke Stimme haben - wenn ihm nicht sein ungeklärtes Verhältnis zur argentinischen Militärdiktatur Probleme macht.

Während sein Vorgänger die Kirche in Deutschland kannte, während Benedikt XVI. die Probleme der Ökumene wohl bewusst waren, wird man abwarten müssen, wie sehr sie und andere deutsche Anliegen im Pontifikat von Franziskus I. eine Rolle spielen werden. Aus deutscher Sicht jedenfalls ist Rom gestern Abend ein ganzes Stück in die Ferne gerückt, in die Armenviertel von Südamerika.

Und schon auf dem Balkon des Petersdoms wirkte der Argentinier gebrechlich. Wird er wirklich die schweren Aufgaben schultern können, die in Rom anstehen? Die römische Kurie muss dringend reformiert werden. Auch Franziskus I. ist schon 76 Jahren alt. Leider spricht viel dafür, dass der erste Argentinier auf dem Stuhl Petri nur ein weiterer Papst des Überganges ist.

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