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Manch böse Überraschung lässt sich leicht vermeiden

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erstellt am 07.Dez.2012 | 10:28 Uhr

Schwerin | "Früher habe ich mich vor dem Tüv mehr gefürchtet als vor dem Zahnarzt", sagte ein Kunde einmal bei einer Service-Stelle vom Tüv Süd. In der Tat: Den Termin für die Hauptuntersuchung würden wohl viele am liebsten umgehen. An ihm führt aber kein Weg vorbei.

Was genau dabei gemacht wird, wissen wohl nur die wenigsten, denn kaum ein Autofahrer ist beim Tüv, wie die Hauptuntersuchung umgangssprachlich heißt, dabei.

Die Untersuchung beginnt seit Juli 2012 mit einer kurzen Probefahrt. Das soll die elektronischen Systeme aktivieren. Außerdem bekommen die Prüfer dadurch auch einen Eindruck, ob das Auto beim Fahren Auffälligkeiten zeigt. Funktionieren die Bremsen? Lenkt es richtig? Greifen - sofern vorhanden - ABS und ESP?

Zurück in der Werkstatt schauen sich die Sachverständigen die Bremsen nochmal genauer an. Sind die Bremsschläuche dicht? Wie sehen die Bremsbeläge aus?

Im Blick haben sie auch die Scheibe: Enthält sie Risse oder Steinschläge? Einen wichtigen Teil der Untersuchung macht das Licht aus. Funktionieren alle Lampen? "Wenn ein Scheinwerfer nicht leuchtet, ist das ein erheblicher Mangel", sagt Rainer Camer vom Tüv Nord. Wenn die Werkstatt es schafft, die Glühbirne zu wechseln, so lange der Prüfer vor Ort ist, bekommt das Auto die Plakette. Andernfalls nicht. "Dann muss es zur Nachprüfung", so Rainer Camer. Und die kostet extra.

Mit der Lichtprüfung ist die Arbeit der Sachverständigen nicht getan. Ein weiterer Blick gilt den Rädern: Haben die Reifen genug Profil? Sind die Felgen beschädigt? Ob ein Autofahrer im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist, ist für die Plakette dagegen irrelevant. Ist dieser Bereich abgehakt, nehmen die Prüfer die tragenden Teile unter die Lupe. Sind sie gerissen, brüchig oder verrostet? Weiter geht es zu den Stoßdämpfern, Radlagern und zum Auspuff. Und auch dann ist die Untersuchung noch nicht beendet: "Rund 160 Punkte stehen auf der Prüfliste unserer Sachverständigen", heißt es beim Tüv Rheinland.

Manch böse Überraschungen beim Ergebnis könnten Autofahrer leicht vermeiden, sagt Rainer Camer vom Tüv Nord. Die höchste Mängelquote weise der Bereich "Beleuchtung/Elektrik" auf. "Komischerweise, denn die Beleuchtung kann ja jeder Autofahrer ganz einfach selbst überprüfen." Auch im Bereich der sogenannten Umweltmängel könnte das ein oder andere Durchfallen verhindert werden: So sei ein kaputter Auspuff nicht zu überhören und ein Ölfleck auf dem Boden auch schnell zu erkennen. "Wichtig ist, dass sich Autofahrer um ihr Auto kümmern. Und dieses Kümmern vermissen wir ein bisschen", sagt Rainer Camer - wenngleich er auch weiß, dass Verbrauchern mitunter schlicht das Geld dafür fehlt.

Übrigens: Tüv ist eine umgangssprachliche, aber irreführende Bezeichnung für die Hauptuntersuchung. Denn der Technische Überwachungsverein ist nicht die einzige staatlich anerkannte technische Prüforganisation. Andere Stellen sind zum Beispiel die Dekra, die Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger, kurz Küs, oder die Gesellschaft für Technische Überwachung, kurz GTÜ.

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