Märchenhaft illustrierter Hingucker

Auch wenn das Jugendstilhaus noch eine Baustelle ist - die prächtige Fassade fasziniert, seit in dieser Woche die Planen und das Gerüst gefallen sind.  Barbara haak
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Auch wenn das Jugendstilhaus noch eine Baustelle ist - die prächtige Fassade fasziniert, seit in dieser Woche die Planen und das Gerüst gefallen sind. Barbara haak

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03. Mai 2013, 11:21 Uhr

Autos stoppen, Radfahrer steigen ab, Fußgänger verharren einen Augenblick: Am Haus zu den vier Jahreszeiten in der Johannes-Runge-Straße ist die Baurüstung gefallen. Quasi wie Phönix aus der Asche ist die Stuckfassade mit ihren Figuren in strahlender Farbigkeit und in all ihrem Detailreichtum bis hin zu dem Stuckranken am Balkon, den roten Klatschmohnblüten und der strahlenden Sonne auf einem ebenso strahlend blauem Hintergrund wieder erstanden.

Hinter der Fassade befindet sich eines der am hochwertigsten sanierten Häuser Wittenberges, so der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, Torsten Diehn. Ohne umfassende Förderung hätte die WGW dieses Projekt nicht angehen können, so Diehn. Noch sind Restarbeiten im Haus zu erledigen.

Fest steht aber schon jetzt, dass die Sanierungs- und Modernisierungskosten über 3000 Euro pro Quadratmeter betragen. Dafür sind fünf Wohnungen auf den gut 350 Quadratmetern Wohnfläche entstanden - theoretisch. Denn im mittleren Geschoss hat die WGW zwei Wohnungen zu einer von 145 Quadratmetern zusammengelegt. Die beiden Quartiere lassen sich aber relativ mühelos bei Auszug des aktuellen Mieters wieder separieren. Für den hochwertigen Wohnraum sind 4,60 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete zu zahlen - die Förderung macht es möglich.

Zurück zur Fassade: Sie macht das Haus zu den vier Jahreszeiten, so hat der Bauherr es vor gut 100 Jahren genannt, zu dem außergewöhnlichsten von Wittenberge. Architekt Stefan Kunzemann leitet im Auftrag der WGW die jetzt zu Ende gehende Sanierung und Modernisierung. Unumwunden räumt er ein, dass es sei für sein Büro eine Freude gewesen sei, diesen Auftrag zu erhalten, aber auch eine anspruchsvolle Herausforderung, "eben eine ganz besondere Aufgabe", zumal der Architekt sich ja bereits seit vielen Jahren mit dem Jahnschul-Viertel und dessen Jugendstilbebauung befasst.

Das Jahreszeiten-Haus hat August Brüshaber 1906 errichten lassen, zu einer Zeit, in der der Jugendstil langsam zu Ende geht, so Kunzemann. Ursprünglich, also zur Zeit seiner Errichtung, war die Farbgebung am Haus sicher eine andere. Das ergaben restauratorischen Untersuchungen des Einzeldenkmals. Typisch für jene Zeit seien Pastelltöne gewesen. Malermeister Brüshaber lebte augenscheinlich seine Profession aus, war er doch auch Bühnenmaler.

"Wir gehen davon aus, dass die Fassade in dieser Farbigkeit, wie wir sie jetzt wieder hergestellt haben, in den 20er oder 30er Jahren entstand", sagt Kunzemann. Eine Ausgestaltung in dieser, man könne schon sagen etwas märchenhaft-illustratorischen Form, wäre typisch für jene Zeit. Insgesamt, das haben die Untersuchungen an dem Denkmalhaus auch gezeigt, hat Brüshaber die Fassade seines Hauses sechs Mal farblich umgestaltet. Die jetzige war nicht nur die letzte, sondern auch die von den Wittenbergern favorisierte Fassung. Die WGW und der "Prignitzer" hatten vor Beginn der Restaurierung die Elbestädter gebeten, über die Farbvarianten abzustimmen.

Bürgermeister Dr. Oliver Hermann ist, wie viele andere Wittenberger, beeindruckt, von dem, was aus dem Haus durch die Sanierung und Modernisierung geworden ist. "Der Aufwand hat sich gelohnt. Wir haben hier im Jahnschul-Viertel, dem im Stadtumbauprozess ja unsere besondere Aufmerksamkeit gilt, ein herausragendes Einzeldenkmal gerettet, es mit einem hochmodernen Innenleben ausgestattet. Es ist einfach toll."

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