Machtkampf um die Kreissessel

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28. Februar 2008, 07:57 Uhr

Schwerin - In zwei Wochen wird es spannend: Nach sieben Jahren stellen sich Landräte und Oberbürgermeister neu zur Wahl. Zum zweiten Mal haben die Bürger die Möglichkeit, ihren Favoriten direkt zu wählen. Der Kreis Parchim macht am 16. März den Anfang bei den zwölf Landrats- und OB-Wahlen in diesem Jahr. Im April folgen u. a. Güstrow, Bad Doberan, Nordwestmecklenburg. Als einzige Partei stellt bislang die SPD überall Kandidaten.

Obwohl in der Regel gestandene Landräte und Oberbürgermeister herausgefordert werden müssen, ist in mindestens vier Kreisen und Städten die Entscheidung äußerst spannend. In drei weiteren Kreisen ist zumindest offen, wer das Rennen machen wird.

Neubrandenburg: Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) hat zwar als Ex-Bundesminister ein gutes überregionales Standing, doch bei den Bürgern hat Krüger sein Vertrauen durch Skandale und Ermittlungen rund um Stadtverwaltung und Stadtwerke verspielt. Zudem hat im traditionell roten Neubrandenburg die SPD mit der DGB-Regionsvorsitzenden Gisela Ohlemacher eine starke Gegnerin im Rennen. Irina Parlow (Linke) dürfte ebenfalls Stimmen abziehen. Wahl völlig offen.

Stralsund: OB Harald Lastovka (CDU) darf aus Altersgründen nicht noch einmal antreten. Die CDU schickt den Newcomer Alexander Badrow, Abteilungsleiter in der Stadtverwaltung, ins Rennen. Vorteil: Er hat den CDU-Bonus des OB. Nachteil: Sachse aus Stollberg. Größte Chancen kann sich der in Wolgast geborene Stralsunder Karsten Neumann von der Linkspartei ausrechnen. Vorteil: Der Datenschutzbeauftragte des Landes tritt zum dritten Mal an und unterlag bisher mit respektablen 40 zu 60 Prozent. Nachteil: NVA-Offiziersschüler. Aber: Badrow hat das bessere Wahlkampfbudget. Offen.

Nordwestmecklenburg: Landrat Ehrhard Bräunig gerade 62 Jahre geworden darf nicht antreten. Jetzt konkurrieren Kreistagspräsident Ulrich Born, CDU-Kreischef, und Vize-Landrätin Birgit Hesse (SPD). Nachteile: Hesse ist relativ unbekannt. Born unterlag bei der Landtagswahl einer unbekannten SPD-Mitbewerberin. Vorteile: Born ist als Ex-Justizminister ein Profi. Hesse kann auf die Stimmen der Basis der Linkspartei bauen, die keinen eigenen Kandidaten nominierte.

Ostvorpommern:
Landrätin Bärbel Syrbe (Linke) muss ihren Posten gegen ihren Vize Jörg Hasselmann (CDU) verteidigen. Der Herausforderer: Der in Anklam Geborene und dort Aufgewachsene wirbt im konservativen Ostvorpommern mit dem Spruch: „Einer aus unserer Mitte“, reicht das? Die Landrätin: Syrbe kam 2001 auf der Höhe der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem damaligen CDU-Landrat ins Amt, und machte seither keine großen Fehler. Aber die SPD-Überraschungskandidatin Anja Ziegon, Ex-Elternratsvorsitzende, dürfte die SPD Syrbe Stimmen kosten.

Spannend werden auch die Wahlen in Güstrow, Amtsinhaber Lutz da Cunha gegen Ex-Hansa-Vorstand Manfred Wimmer, und auf Rügen. Dort zieht zwar für die auf Rügen aufgewachsene Landrätin Kerstin Kassner (Linke) ihr Titel „Mutter der Insel“ mehr als ihr Parteibuch, aber das letzte Mal musste sie viermal Anlauf nehmen, um genügend Rüganer an die Wahlurne zu bekommen. Als sicher gelten hingegen Klaus-Jürgen Iredi in Parchim und Rolf Christiansen in Ludwigslust. Hier sucht die CDU noch verzweifelt nach Kandidaten. Die Kreistagspräsidentin ist im Gespräch.

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