Machtkampf in der rechten Szene

Ausgerechnet im Superwahljahr 2009 ist in der rechtsextremen NPD ein offener Machtkampf ausgebrochen. Kameradschaften kündigen der Parteiführung die Gefolgschaft - und die Schweriner NPD-Landtagsfraktion will den Bundesvorsitzenden Udo Voigt stürzen.

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08. Januar 2009, 08:41 Uhr

Rostock | Beim Einzug der NPD in den Schweriner Landtag 2006 spielten die so genannten "freien Kameradschaften" als Fußvolk im Wahlkampf noch eine entscheidende Rolle. Jetzt kündigen Führungsfiguren der Szene wie der in Amholz bei Boizenburg lebende Neonazi Thomas Wulff "Steiner" der NPD-Führung die Gefolgschaft. In dem auf einschlägigen Internetseiten verbreiteten Aufruf "Ende der Volksfront" wirft Wulff dem NPD-Bundeschef Udo Voigt und Generalsekretär Peter Marx "Abgrenzung, Verleumdung und offene Hetze" gegenüber den Kameradschaften vor. In der Parteiführung "scheint jeder über die Leichen des anderen so viel zu wissen, daß keine Krähe der anderen ein Auge aussticht", wetterte Wulff weiter.

Allein in Mecklenburg-Vorpommern gehören Kameradschaften wie dem "Freien Kameradschaftsbund Bad Doberan" oder der "National-Germanische Bruderschaft" im Uecker-Randow-Kreis laut Verfasungsschutz etwa 600 Rechtsextreme an.

Der Greifswalder Politologe Dierk Borstel spricht von einem offenen Machtkampf . "Die radikaleren Kameradschaften sind drauf und dran die Altparteikader aus der Führung zu drängen", sagte Borstel, der das Projekt "Exit" für Aussteiger aus der braunen Szene mitgegründet hat.

Dazu passt auch, dass Andreas Molau, Parteiideologe und Mitarbeiter der Schweriner NPD-Landtagsfraktion, offen mit dem Sturz des langjährigen Parteichefs Udo Voigt droht. Molau kündigte vor wenigen Tagen an, dass er auf dem Bundesparteitag der NPD im Frühjahr 2009 bei der Wahl des Parteivorsitzenden gegen Voigt antreten werde. Die Partei brauche "frischen Mut und neue Ideen", erklärt der 40-Jährige, der nach eigenen Angaben die Unterstützung der NPD-Landtagsfraktionschefs in Schwerin und Dresden, Udo Pastörs und Holger Apfel hat.

Molau werden gute Kontakte zur Kameradschaftsszene nachgesagt, auf die er sich bei seinem Landtags-Wahlkampf 2008 in Niedersachsen stützte. In einem Thesen-Papier, das Anfang der Woche veröffentlicht wurde, versucht er die Rollenverteilung zwischen den so genannten "freien Kräften" und der NPD zu definieren. "Die Erringung der politischen Macht muss von der Kommune an konsequent vorangetrieben werden", sinniert Molau dort. Dabei würden sich auch die Koalitionsebenen zwischen "freien Kräften" und der Partei ergeben.

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