Lotto King Karl gibt Konzert in Hamburger Knast

Hinter Gittern: Die Musiker Lotto King Karl (l.) und Carsten Pape singen in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg.
Hinter Gittern: Die Musiker Lotto King Karl (l.) und Carsten Pape singen in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg.

Lotto King Karl hat am Freitag die HSV-Bühne gegen eine Knast-Kapelle getauscht und ein Konzert im Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel gegeben. «Es ist eine große Ehre für uns, hier zu spielen», sagt der 42-Jährige.

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29. März 2009, 07:02 Uhr

Hamburg (dpa) - Rund 45 Minuten präsentiert Lotto King Karl gemeinsam mit Partner Carsten Pape Hits wie «Fliegen» oder ihren neuen Song «Die große Liebe». Beim letzten Titel «Auf Wiedersehen» können sich die rund 75 Gefangenen nicht mehr auf den Stühlen halten und feiern die Musiker mit begeistertem Applaus.

Höhepunkt der Show ist der gemeinsame Auftritt mit der Gefängnis-Band. Zusammen mit vier Insassen spielen sie den HSV-Kult-Song «Hamburg meine Perle». «Bei dem Lied bekomme ich immer wieder Gänsehaut», sagt Mike, der seit drei Jahren hinter Gittern sitzt. Auch Insasse Giovanni ist schwer begeistert: «Das ist eine tolle Abwechslung», sagt der 26-Jährige. «Schön, wenn für uns hier drinnen jemand Interesse zeigt.»

"Toleranz ist nicht nur ein Wort"

Für Lotto und Pape ist der Auftritt hinter Gittern nichts Neues: «Ich habe selbst mal vor 20 Jahren im Knast gesessen», sagt Pape, der damals wegen Marihuana-Besitzes zu acht Monaten Haft verurteilt worden war. «Als ich heute hier reingekommen bin, war sofort wieder ein Beklemmungsgefühl da.» Nach dem Konzert tauscht er sich mit den Gefangenen über seine eigenen Knast-Erfahrungen aus. Neben ihm sitzt Lotto und gibt geduldig Autogramme. «Es ist eine tolle Sache, bei den Jungs im Bau zu spielen», sagt der Hamburger, der schon einmal vor zehn Jahren in «Santa Fu» aufgetreten war. «Wir wollen zeigen, dass Toleranz nicht nur ein Wort ist.» Natürlich gebe es bei vielen berechtigte Gründe, warum sie in Haft seien, «aber es sind Menschen wie Du und ich.»

Lottos Auftritt ist Teil einer Konzertreihe, bei der auch andere Lokalgrößen wie Stefan Gwildis oder Michi Reincke gratis in «Santa Fu» spielen. «Wir veranstalten diese Konzerte, um der in jedem Knast drohenden sozialen und emotionalen Verödung vorzubeugen», sagt Mit- Initiator Johannes Köppen. Er spielt bei Lotto King Karl Saxofon und leitet als Musiklehrer in «Santa Fu» die Gefangenen-Band.

Die Aufregung vor dem Auftritt sei enorm gewesen, sagt Köppen. «Da hatten selbst die harten Jungs weiche Knie». Nach dem Konzert zeigen sich die vier Knast-Musiker dann aber ganz entspannt. «Das war einfach toll, eine grandiose Stimmung», sagt Thomas. Und Sänger Harry witzelt: «Da sage noch mal einer, Verbrechen lohnt sich nicht. So eine Chance hätte ich doch draußen nie gehabt.»

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