Podolski und Frings fraglich : Löws Aus und andere Sorgen

Der Bundestrainer fehlt in jedem Fall. Bei Torsten Frings und Lukas Podolski entscheidet sich erst kurz vor Anpfiff der Einsatz. Und dann ist da auch noch der Reisestress. Kann das gut gehen?

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19. Juni 2008, 12:58 Uhr

Die Kollegen waren am Mittwoch in Tenero schon allesamt auf dem frisch besprühten Rasen versammelt, als kurz nach dem Trainingsbeginn um elf Uhr Torsten Frings herbeieilte. Sein flotter Lauf hin zum Platz schien schon eine Demonstration für seine Verfügbarkeit darzustellen, wenn es am Donnerstag gegen Portugal um den Einzug ins Halbfinale geht.Gegen Österreich war beim Mittelfeldabräumer eine Rippe gebrochen, eine arg schmerzende Angelegenheit. Ob die unverzichtbare Betäubung auch alle anderen Widrigkeiten einer solchen Verletzung behebt? Kämpfer Frings, der bei der WM 2006 schon an seiner Sperre im Halbfinale gegen Italien verzweifelt war, will selbstlos den Beweis liefern. Kann das gutgehen?Frings und Podolski: Entscheidung kurz vor Anpfiff

Mögliche Stellvertreter sind Thomas Hitzlsperger, der in den Tests in Österreich (3:0) und in der Schweiz (4:0) Ballack im defensiven Zentrum wirkungsvoll assistierte und schon zuvor fünfmal in dieser Zone tätig gewesen war. Auch Philipp Lahm tat dort beim 2:1 in England beeindruckend Dienst. Zunächst aber will und soll es Stammkraft Frings richten. Die Entscheidung fällt kurz vor dem Anpfiff, wie auch in der Personalie Lukas Podolski, der wegen einer Wadenverhärtung seit dem Österreich-Spiel nicht mehr trainiert hat, aber meint: "Es wird schon klappen."Einer fällt indes sicher aus. Gegen 15 Uhr schlug beim DFB das Urteil ein, das die Kontroll- und Disziplinar-Kommission der UEFA in der Causa Hickersberger/Löw gesprochen hatte: Der Bundestrainer ist für das Viertelfinale gesperrt, was selbst sein portugiesischer Kollege Filipe Scolari bedauert. "Joachim Löw darf das Spiel nur von der Tribüne aus verfolgen. Vor und während des Spiels ist seine Anwesenheit in den Umkleidekabinen, im Spielertunnel sowie in der technischen Zone untersagt. Weder vor noch während des Spiels darf er mit der Mannschaft in Kontakt treten", so die schriftlich formulierte Auflage des Dachverbandes.Flick übernimmt am Spielfeldrand

Löw und sein gleichfalls für eine Partie ausgeschlossener österreichischer Kollege waren nach 41 Minuten vom spanischen Schiedsrichter Gomez auf die Tribüne verbannt worden. Laut Darstellung des Vierten Mannes, Damir Skomina (31) aus Slowenien, habe Löw in Hickersbergers wie Skominas Richtung geschrien. Der Beschuldigte bestreitet jegliches Fehlverhalten, er habe lediglich innerhalb der Coaching Zone seine Arbeit erledigen wollen. Einwände gegen diesen rechtskräftigen Urteilsspruch erlaubt das UEFA-Reglement nicht. Löw muss also widerwillig oben auf der Tribüne sitzen. Unten am Spielfeldrand wird, wie 50 Minuten lang gegen Österreich, Hansi Flick verantwortlich handeln müssen. Ob unterstützt von Oliver Bierhoff, ließ der Manager gestern offen.Löws Assistent (148 Bundesliga-Einsätze; seit 2003 Fußball-Lehrer; von 1996 bis 2000 Trainer in Bammental, anschließend bis 2005 in Hoffenheim, da Aufstieg in die Regionalliga-Süd) macht diesen Job seit 23. August 2006 und hielt sich bislang betont loyal im Hintergrund. Wenn er nun Löw in der Kabine vertritt, wird er deutlichere Worte finden müssen als bei seinen bislang farblosen öffentlichen Auftritten. Kann das gutgehen?Portugal: Mehr Erfahrung, längere Pause

Denn trotz des wenig überzeugenden 1:0 gegen limitierte Österreicher und trotz aller Harmoniebestrebungen wirkt die deutsche EM-Delegation nicht gefestigt. Wo Bierhoff im Vorfeld vertikal den Gipfelsturm ausgerufen hatte, schiebt er jetzt schon im Viertelfinale die Favoritenrolle kleinlaut dem Gegner zu. Der Manager verweist auf die gewaltige internationale Erfahrung der Portugiesen, die der Vergleich der Vereinsstatistik belegt: 903 Europacupspiele haben Ronaldo, Carvalho und Kollegen gesammelt, nur 740 Ballack und Partner; 49-mal feierten portugiesische Auswahlspieler eine Landesmeisterschaft, deutsche 24-mal. Und international wurde von den gegnerischen Spielern achtmal die Champions League gewonnen und fünf Mal der UEFA-Pokal, während im deutschen Team allein Jens Lehmann eine Europacup-Trophäe holte, den UEFA-Pokal (1997 mit Schalke).Dazu kommt noch die längere Pause für die Portugiesen sowie der geringere Reisestress. Obwohl die DFB-Crew am Dienstagmorgen nach dem Rückflug aus Wien um halb drei in Ascona eintraf und am späten Mittwochnachmittag schon wieder ins Flugzeug nach Basel stieg, wehrt sich Bierhoff gegen den begründeten Vorwurf einer Fehlplanung. Optimal ist dieses strapaziöse Hin und Her gewiss nicht. Ob der Manager am Mittwoch deswegen darauf verwies, "das Minimalziel" sei erreicht? Es klang irgendwie wie eine vorauseilende Erklärung für den Fall, dass es gegen Portugal nicht gutgeht.

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