Links und linkisch

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03. Juni 2012, 07:28 Uhr

Die Linken pflegen ihre Rituale. Die eine Hälfte taktiert und paktiert so lange gegen die andere, bis ein Kandidat aus dem Hinterzimmer gedrängt wird, um den Vorsitz zu übernehmen. Sie bringt es fertig, im ersten Wahlgang ihre Favoritin zu ignorieren (Dora Heyenn), nur um im zweiten den Konkurrenten blockieren zu können (Dietmar Bartsch). Sie schüttet Häme aus, ohne es Häme zu nennen, triumphiert, ohne es Triumph zu nennen, während der Rest schmollt, ohne es Schmollen zu nennen. Von Hass ist die Rede, mit Gebrüll wird geantwortet – und doch wollen allesamt an die Zukunft glauben.

Was noch nicht jeder Linke verstanden hat: Die Zukunft heißt Riexinger. Dem neuen Parteichef wird jetzt sicher empfohlen – Handbuch Krisen-PR, erstes Kapitel –, die ostdeutschen Landesverbände zu bereisen und zu befrieden. Ausgerechnet der Bartsch-Verhinderer soll die Spaltung zwischen Ost und West abwenden. Immerhin ist das der einzige Punkt, der wirklich alle zu einen scheint.

Trennung? Davor warnen Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und jene Strömungen, die sich hinter den beiden versammeln. Trennung würde aus der Linkspartei wieder PDS hier und WASG dort machen. Allein: Ein Denkfehler hat sich eingeschlichen. Man kann nicht trennen, was nie zusammen war. Es ist eine Scheinehe, seit fünf Jahren verbunden mit der Hoffnung, dass aus einem gemeinsamen Projekt noch eine gemeinsame Partei werden könnte.

Das Wochenende in Göttingen hat gezeigt, dass selbst diese Hoffnung schwindet. Linkisch sollte man weder Gegner noch Parteifreund behandeln – nicht einmal den so genannten.

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