Liebesbeweis im rosa Tutu

Bob Carey posierte jetzt vor dem Brandeburger Tor.
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Bob Carey posierte jetzt vor dem Brandeburger Tor.

Seit seine Frau an Brustkrebs erkrankte, fotografiert sich Bob Carey an ungewöhnlichen Orten – im Ballettröckchen

svz.de von
10. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Fünf Grad und Nieselregen, Bob Carey (52) steht im rosa Ballettröckchen vorm Brandenburger Tor. Springt in die Luft wie eine schwerfällige Ballerina, landet in einer Pfütze, immer wieder, seine Frau Linda Carey (53) fotografiert ihn dabei.

Mit der Aktion in Berlin will das Ehepaar auf seine Initiative „The Tutu Project“ aufmerksam machen und Spenden für an Brustkrebs erkrankte Frauen sammeln. Vor dem Brandenburger Tor erzählen sie ihre persönliche Geschichte hinter dem Projekt. Denn was heute Millionen Menschen bewegt, startete vor zehn Jahren als ungewöhnlicher Liebesbeweis.

2003 erhielt Linda Carey ihre Brustkrebs-Diagnose, auch für ihren Mann eine schreckliche Nachricht. „Schon meine Mutter starb an Brustkrebs“, sagt der Fotograf. „Ich wusste, was auf uns zukommen kann.“ Um sich abzulenken und Linda aufzuheitern, beginnt er, sich im Tutu zu fotografieren. Erst unterwegs, dann sucht er extremere Orte.

Inzwischen hat er 170 Plätze besucht, das Spitzenröckchen immer dabei: am Grand Canyon, in Italien, vorm Washington Monument – und nun auch am Brandenburger Tor. Sobald er das Tutu trage, nehme er um sich herum nichts mehr wahr, nicht die Zuschauer, nicht die Zurufe. „Die Fotos sind wie ein Schritt aus der Realität, eine Therapie in harten Zeiten“, sagt Carey. Durch das Fotografieren habe er sich und seiner Frau etwas abseits der Krankheit geschaffen, auf das sie sich konzentrieren konnten.

Linda Carey war so fasziniert von der Idee, dass sie die Fotos zu Leidensgefährtinnen in die Klinik mitnahm. Die wiederum zeigten sie weiter, bald verbreiteten sich die Bilder durch das Internet auf der ganzen Welt. Der Werbespot eines Telekommunikationskonzerns machte den Amerikaner schließlich auch in Deutschland bekannt.

„Seit unserem ersten Date wusste ich, dass mein Mann ein bisschen verrückt ist“, sagt Linda Carey. „Mit dieser ausgefallenen Idee hat er mir und anderen Frauen sehr geholfen. Wir konnten endlich wieder zusammen lachen.“ Sie ist noch immer in Behandlung, aber es gehe ihr gut, sagt sie. „Ich kann reisen und dabei andere Erkrankte unterstützen, das ist mehr als ich mir noch vor ein paar Jahren vorgestellt habe.“ Fünf Tage will sich das Paar Berlin anschauen, im Rucksack immer dabei: die Kamera und das rosa Tutu.

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