„Letzter Versuch“ - Bahn und GDL wollen am Sonntag über Beilegung des Konflikts reden

Wie lange noch? Reisende steigen im Hamburger Hauptbahnhof in einen soeben eingefahrenen Fernreisezug. Die GDL will ab Montag streiken und den Ausstand auch für neue Verhandlungennicht mehr unterbrechen. Foto: dpa
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Wie lange noch? Reisende steigen im Hamburger Hauptbahnhof in einen soeben eingefahrenen Fernreisezug. Die GDL will ab Montag streiken und den Ausstand auch für neue Verhandlungennicht mehr unterbrechen. Foto: dpa

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09. März 2008, 05:55 Uhr

Berlin - Im Bahn-Tarifkonflikt soll ein letzter Versuch unternommen werden, die ab Montag drohenden unbefristeten Streiks noch abzuwenden. Die am Samstag begonnenen Gespräche zwischen der Deutschen Bahn AG und der Lokführergewerkschaft GDL sollen am Sonntag fortgesetzt werden, teilten beide Seiten am Abend mit. Zuvor hatten Vertreter der Bahn und der GDL rund vier Stunden miteinander verhandelt. Ungeachtet dessen bereitet sich die Lokführergewerkschaft darauf vor, zu Wochenbeginn in den Ausstand zu treten.

Das Voting zum drohenden Streik ist beendet:
Bis Sonntag 17:45 Uhr befürworteten lediglich 82 User (27,5%) den GDL-Streik, mit 216 Stimmen 72,5 % der Beteiligten hielten ihn hingegen nicht mehr für maßvoll und vertretbar.
Es sei „merkwürdig, dass Bahn-Personalvorstand Margret Suckale noch auf ein Pferd setzt, das schon tot am Boden liegt“, sagte GDL-Vizechef Claus Weselsky dem „Tagesspiegel“ (Samstagausgabe). Suckale hatte am Freitagabend überraschend neue Vorschläge des Unternehmens angekündigt und gesagt, das Wochenende solle „intensiv“ genutzt werden, um im Interesse von Millionen Bahnreisenden und des Wirtschaftsstandortes Deutschland einen Streik zu vermeiden.

Einzelheiten über den neuen Vorschlag der Bahn waren am Samstag nicht zu erfahren. Weder der Bahn-Sprecher noch die GDL machten nähere Angaben. Über Inhalte der Zusammenkunft sowie über Beginn und Ort des Gespräches am Sonntag sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es übereinstimmend.

Die GDL verlangt von der Bahn die Unterschrift unter den bereits verhandelten eigenständigen Tarifvertrag für die rund 20 000 Lokführer und will andernfalls ab Montag unbefristet den Fern-, Regional-, S-Bahn- und Güterverkehr bestreiken. Bahnchef Hartmut Mehdorn fordert zuvor allerdings die Unterzeichnung eines sogenannten Grundlagentarifvertrags durch die GDL, was die Gewerkschaft ablehnt, sowie den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung zwischen den drei Bahngewerkschaften.

Suckale bedauerte, dass die Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA offenbar nicht in der Lage seien, eine Einigung über eine Kooperationsvereinbarung zu erreichen. Darüber sei die Bahn „maßlos enttäuscht“. Eine Einigung sei aber Voraussetzung für den Lokführertarifvertrag, zu dem die Bahn weiter stehe.

Am Freitagnachmittag hatte die Bahn einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Lokführer-Streik beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main eingereicht. Darüber soll am Montagvormittag entschieden werden. GDL-Vize Weselsky sagte dazu: „Wir gehen davon aus, dass es wieder so ausgeht wie vor dem Sächsischen Landesarbeitsgericht - mit einer krachenden Niederlage für die Bahn.“

Unterdessen haben Wirtschaftsverbände den anstehenden Arbeitskampf der GDL massiv kritisiert. Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), forderte in der „Bild“-Zeitung (Samstagausgabe) Wirtschaft und Bürger auf, sich gegen die Streikpläne zu stellen. Metall-Arbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser mahnte die Beteiligten, in dem Tarifkonflikt Zugeständnisse zu machen. „Diesen Tarifkonflikt versteht niemand“, sagte Kannegiesser den „Ruhr Nachrichten“ (Samstagausgabe).

Weselsky hatte zuvor angekündigt, dass die GDL auch Berlin nicht von dem Streik ausnehmen werde. In der Hauptstadt, wo die Gewerkschaft ver.di die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestreikt, sei die Situation „schwierig, weil gerade unsere Kollegen von der S-Bahn Berlin sehr auf einen Arbeitskampf drängen“. Es sei aber kein Kalkül der GDL, dass der Streik mit dem Ausstand bei der BVG zusammentreffe. Seit mehreren Tagen liegt der Nahverkehr mit Bus, U- und Straßenbahn still.

Sollte es am Sonntag noch zu einer Einigung kommen, wird es am Montag dennoch beim Notfahrplan bei der Bahn bleiben. Hintergrund sind längere Vorlaufzeiten für eine Umstellung. So kurzfristig könnten keine Änderungen mehr vorgenommen werden, hieß es.

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