Lehrer studieren Schüler

Lehrer auf die Schulbank: Ein landesweites Pilotprojekt soll 170 Pädagogen von elf Schweriner Schulen im Umgang mit Konflikten, Drogen, Gewalt und Rechtsextremismus auf den neuesten Stand bringen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) übergab dafür gestern in der Astrid-Lindgren-Schule einen Förderscheck.

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27. Februar 2008, 08:37 Uhr

Schwerin- Deuten starre Pupillen möglicherweise auf Drogenmissbrauch hin? Welche Messer gehören auf den Index? Welche Symbole sind verfassungsfeindlich und lassen auf rechtsextremes Gedankengut schließen? Wie können in solchen Fragen noch vorbeugende Maßnahmen greifen, wann ist eine Anzeige geboten?

Mit dem anderthalbjährigen Vorhaben „Prävention macht Schule“ sollen rund 170 Pädagogen von zehn Schweriner Schulen in Seminaren und Workshops von Polizisten, Anwälten, Trainern und Psychologen geschult werden, teilte Bildungsminister Henry Tesch (CDU) beim gestrigen Start in der Astrid-Lindgren-Schule mit. In den Seminaren gehe es um Themen wie Konfliktbewältigung, Rechtsfragen, Selbstbehauptung, Waffen, Drogen oder verfassungsfeindliche Kennzeichen und deren Verschlüsselungen. „Seien wir ehrlich, jede Erwachsenengeneration muss sich immer wieder neu mit den Lebensrealitäten vieler Jugendlicher beschäftigen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, sagte Bildungsminister Henry Tesch (CDU).

Zwar trügen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen die Eltern die Hauptverantwortung, fügte der ebenfalls bei der Auftaktveranstaltung anwesende Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hinzu. Doch sei Erziehung ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Am besten ließe sich dieser direkt vor Ort, also auch an Schulen umsetzen. Er sei davon überzeugt, dass das Präventionsprojekt den Pädagogen helfen werde, „ihrer großen Verantwortung noch besser gerecht werden können“, sagte Caffier. Als Vorsitzender des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung stellte er dafür gestern 10 800 Euro bereit, hieß es weiter. Die Lehrkräfte beteiligten sich einmalig mit einem Betrag von je 45 Euro.

Entwickelt wurde das Lehrer-Fortbildungsprogramm vom Landesinstitut für Schule und Ausbildung gemeinsam mit der Polizei. „An theoretischen und praktischen Beispielen werden den Pädagogen in zwölf- bis vierzehnköpfigen Gruppen Mittel an die Hand gegeben, die ihre Kompetenzen stärken“, sagt Heidi Schwarz, Präventionsbeamtin der Schweriner Polizeiinspektion. Ganz bewusst sollen Lehrer aus verschiedenen Schulen in den Lern-Teams zusammengeführt werden, um möglichst allen Teilnehmern das ganze Problemspektrum an Schweriner Schulen nahe zu bringen. „Wir wünschen uns, dass die Lehrer möglichst vorbeugend eingreifen. Etwa mit Gesprächen, der Beteiligung von Experten oder der Vermittlung zwischen Konfliktparteien. „Erst wenn es nicht mehr anders geht, sind beispielsweise freiwillige Taschenkontrollen oder auch Anzeigen bei der Polizei angeraten“, so Schwarz.

Die Erfahrungen des Projektes sollen auch in eine verbindliche Hausordnung münden, die dann für alle Schulen in der Landeshauptstadt gültig ist. An dem Projekt nehmen folgende elf Unterrichtsstätten teil: Astrid-Lindgren-Schule, Berufsschulförderzentrum, Berufliche Schule für Wirtschaft und Verwaltung, Bertolt-Brecht-Schule, Erich-Weinert-Schule, Werner-von-Siemens-Schule, Gutenbergschule, Comeniusschule, Schule am Fernsehturm, Albert-Schweitzer-Schule sowie die Schulwerkstatt „Fit for life“.

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