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18. Oktober 2017 | 17:09 Uhr

Lehren aus „Sandy“

vom

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2012 | 07:20 Uhr

„Sandy“ hat sich als jener Monster-Sturm erwiesen, den die Wetterexperten befürchtet hatten: Milliardenschäden an der US-Ostküste, verlorene Menschenleben, geflutete Landstriche, die paralysierte Metropole New York – das sind die negativen Begleitumstände der Naturkatastrophe. Doch so paradox es klingen mag: „Sandy“ hat auch gute Seiten, die man erst beim zweiten Blick erkennt. Zum Beispiel diese: Amerika bleibt für kurze Zeit von einem Wahlkampf verschont, der zuletzt für viele Bürger kaum noch erträglich war. Das liegt nicht nur an den exorbitanten Kosten und der ermüdenden Länge, sondern auch an dem in den Keller gesunkenen Niveau der politischen Debatte – vor allem geprägt durch das gebetsmühlenhafte Vortragen von Unwahrheiten auf beiden Seiten.

Für die Kandidaten bedeutet die neue Lage nun auch eine schwierige Gratwanderung: Sie müssen sorgfältig abwägen, wie viel Wahlkampf-Rhetorik in einer solchen Krisensituation dem Volk bis zum Wahltag am 6. November überhaupt zumutbar ist. Und vor allem für Barack Obama gilt: Er darf sich nicht jene Fehler – Aussitzen und mangelhafte Überwachung der Hilfsaktionen – leisten, die im Jahr 2005 George W. Bush nach Hurrikan „Katrina“ jede Menge Sympathien kosteten.

Zu einer weiteren guten Seite der Naturkatastrophe könnte gehören, dass die Politiker endlich erkennen: Die Weltmacht und Hightech-Nation USA verfügt immer noch in vielen Bereichen über eine verwundbare Dritte-Welt-Infrastruktur. Bereits Hurrikan „Irene“ hatte letztes Jahr schmerzhaft den Finger in diese Wunde gelegt, als manche Kunden an der Ostküste zwei Wochen lang ohne Stromversorgung waren. Weite Teile New Yorks waren auch diesmal ohne Strom, die Fluten strömten unbehindert in tief liegende Bereiche, das sonst schon extrem störanfällige 108 Jahre alte Subway-System dürfte für Tage außer Betrieb sein. Mit Blick auf die Fortschritte einer immer stärker vernetzten digitalen Welt wirken solche Fakten schon wie ein Anachronismus. Kürzlich erst hatte das „World Economic Forum“ in einer Studie darauf verwiesen, dass die USA bei der Zuverlässigkeit und Qualität der Energieversorgung weltweit nur auf Rang 32 liegen. Zu einer Zeit, wo sich Amerika von seinen sündhaft teuren Kriegsschauplätzen verabschiedet, hätte der nächste Präsident eine gute Chance, hier seine Hausaufgaben zu machen.

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