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17. Dezember 2017 | 14:56 Uhr

Lederkluft statt Smoking auf der "Queen Mary 2"

vom

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 08:37 Uhr

Die "Queen Mary 2" - majestätisch liegt sie am Chicagokai in Hamburg. Schaut man den schwarzem Rumpf weit hinauf zu den weißen Aufbauten, malt man sie sich aus: Herren in Smokings, Damen im Abendkleid, Fünf-Gänge-Menü mit Austern, Hummer und anderen Delikatessen, dazu Champagner... Im November aber wird auf dem Kreuzliner der Cunard-Reederei ein etwas anderer Wind wehen: Lederkluft statt schwarzem Anzug, Tattoos statt Klunkern, Bass & Schlagzeug statt Piano & Geige - Peter Maffay wird den Dampfer rocken!

Wir erwarten den Meister der etwas härteren Klänge, aber auch von "Tabaluga", im "Commodore-Club" - hoch oben am Bug, direkt unter der gewaltigen Brücke. Dann kommt Peter Maffay, einfach so steht er im Harley-Shirt im Raum, grüßt fast leise. Und man ist sich doch bereits sicher, dass dies in ein paar Wochen anders sein wird. Dann wird es laut, sehr laut - und so gar nicht "QM2"-like.

Draußen belagern bereits Tausende das Ufer, machen sich bereit für die "Mille Saluti"-Party, mit der die "Königin der Meere" an diesem Abend gebührend auf die nächste Reise verabschiedet wird. Uwe Bahn eröffnet die Runde. Der NDR-Moderator ist einer der Produzenten von "Stars at Sea" und stellt gemeinsam mit der Deutschland-Chefin der Cunard Reederei, Anja Tabarelli, das durchaus spezielle Musik- und Kreuzfahrt-Erlebnis vor.

"Ja, das war nicht ganz so einfach", gesteht Anja Tabarelli ein. "Aber wir sind ja gar nicht so klassisch-steif, wie man es von uns als britische Reederei erwartet." In der Tat werde dies die erste Rock-Kreuzfahrt von Cunard weltweit. Und nach dem Motto "Wenn schon, denn schon" heißt es vom 6. bis 10. November "Jeans on!" auf der "Queen Mary 2". Unterdessen sind Bahn und Maffay gut aufgelegt - Uwe: "Peter, normal ist Smoking angesagt", Peter: "Na, ich rauche ja nicht!" Dann schlägt Maffay gleich die entscheidende Brücke. "Cunard ist eine gute Marke. Und die Reederei wie auch Rockn Roll haben ihre Wurzeln in England."

Auf einem Trip Hamburg - Oslo - Hamburg werden Maffay mit seiner Band, aber auch Laith al Deen und eine Band, die in der nächsten Woche präsentiert wird, an den fünf Tagen drei Konzerte geben, Workshops an Gitarre und Schlagzeug durchführen. Und auch sonst nahezu rund um die Uhr mit den Fans in Berührung kommen. Wegfahren geht ja nicht...

"Solche Konzerte sind viel intensiver als alles andere an Land", erzählt Bahn. Und er muss es wissen. Im nächsten Jahr veranstaltet er bereits den 3. Rockliner mit Udo Lindenberg, unlängst kam er von einer Tour drüben in den Staaten zurück, auf der er mit den legendären "Kiss" unterwegs war. "Vier Konzerte - zwei in voller Montur, zwei ungeschminkt - und eines auf einer Privatinsel am Strand. Gigantisch." Und jetzt Peter Maffay...

Der ist zum ersten Mal auf der "Queen Mary 2" und hat sie auch noch nie live gesehen. "Die Bilder allein sind schon beeindruckend", sagt Maffay. "Aber wenn man hier nun gleich die volle Breitseite kriegt... Wahnsinn. Das hat schon eine andere Qualität." Die Gänge seien irre lang und er fragt sich: "Wie kann man sich hier zurechtfinden, ohne Kompass geht das doch gar nicht." Es ist eine Geschichte, die auch seiner Band und ihm Spaß machen wird,gibt er zu. "Ich glaube aber auch, es wird für die Leute sehr intensiv. Die werden das genießen, mit uns gemeinsam Schiff zu fahren."

Unterwegs zu sein auf dem Meer, das habe etwas, da blicke man den Naturgewalten schon mal ab und zu ins Auge. Er habe das schon einmal mitgemacht, vor vielen Jahren auf einem sehr viel kleineren Schiff in der Antarktis. Fünf Wochen lang. Viel gesungen habe er da nicht: "Ich hab’s angeboten, und einmal haben wir das auch gemacht - das war’s dann aber auch."

Auf der 5-Tage-Tour nach Oslo wird sich dies jedoch deutlich ändern, drei Konzerte soll es geben. Das muss es auch, denn das bordeigene Royal Theatre, in dem gespielt wird, fasst so um die 800 Leute. So gibt es an Bord dann nochmal die Eintrittskarte nach der Bordkarte, damit auch alle geordnet rankommen.

Für die Musiker wird es angesichts des dicht gedrängten Programms eher wenig Freizeit geben. Jeden Tag seien ein bis zwei Stunden Soundcheck eingeplant, und die Konzerte würden wohl kaum unter drei Stunden abgehen. Dabei überlasse er es Laith al Deen, wieviel er singen wolle und was. Unter zwei Stunden zu spielen, mache jedenfalls keinen Sinn. "Da sind wir doch erst warm gelaufen..."

Ob er nach 40 Jahren auf der Bühne noch Lampenfieber kenne und ob er an Bord eines Schiffes auch das Lied "Tiefer" spielen werde. Na ja, das sei doch vor allem ein Liebeslied, entgegnet der drahtige Rocker, der gestern 64 Jahre alt wurde. Man sieht es ihm nicht an!

"Wenn das Lampenfieber aufhört zu existieren, dann solle man wirklich aufhören, weil man nicht mehr brennt. Das hier an Bord ist ein ganz anderer Spielplatz - aber es gebe immer viele Unwägbarkeiten. Ich scharre immer mit den Füßen und sage: Lasst uns endlich rausgehen und spielen. Und wenn man dann die ersten Sachen gespielt hat, verfliegt das Fieber und man ist drin."

Aus marketingtechnischen Gründen hätte es das Gespräch mit Peter Maffay auf dem Luxusliner gar nicht geben müssen. Schon vor dem ersten gesprochenen Wort war klar, dass es nur noch höherpreisige Restkarten gibt. Dabei sind die fünf Tage nicht gerade das, was man billig nennen würde. Pro Person kommt man in der preiswertesten Kabine ab 845 Euro unter - ohne Getränke, Trinkgeld und Kosten für den Landgang in Oslo, versteht sich. Dennoch brummt das Geschäft. Allein die Vorstellung auf ein Konzert mit nur 800 Leuten und dann noch auf der Ostsee, das hat fast Studiocharakter. Maffay unddie Reederei wissen, dass sich dieses Vergnügen nicht jeder leisten kann. Daher gibt es auch das Gewinnspiel (siehe Kasten).

Und auch für alle, die nicht mit an Bord können, lohnt sich am 6. November der Trip zum Hamburger Hafen: Denn wie es sich gehört, will Maffay mit der Harley zum Einchecken vorfahren. "Das wird ein toller Anblick", ist sich Uwe Bahn sicher. 30 bis 40 Maschinen sollen ihn begleiten. Ob der Rocker mit seinem guten Stück auch auf’s Schiff rollen darf? "Nein, das geht nicht", blockt Anja Tabarelli sofort ab. Die Sicherheitsbestimmungen... Aber sie verspricht: eine Harley wird an Bord sein. "Wir arbeiten dran!"

Für Maffay wird es auch eine Familienfahrt. Seine Frau Tanja und sein zehnjähriger Sohn Yaris gehen mit an Bord. Die Musiker nutzen den Schiffs trip auch als eine Pause von der harten Studioarbeit für das nächste Album. Ab 15. September wird die eingespielte Truppe an den nächsten rockigen Nummern arbeiten. Vielleicht werde man die Reise nutzen, auch mal ein Seemannslied einzustudieren.

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