Lebendspender sind mehrheitlich Frauen

<fettakgl>Prof. Dr. med.</fettakgl> Oliver Hakenberg <foto>archiv</foto>
Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg archiv

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19. März 2013, 09:58 Uhr

Die Nierentransplantation bei Jörg Schig hat der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie an der Rostocker Uni, Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, vorgenommen. Karin Koslik sprach mit ihm.

Herr Professor Hakenberg, hat das Beispiel des Ehepaars Steinmeier -der SPD-Fraktionschef spendete seiner Frau vor zwei Jahren eine Niere - Lebendspenden populärer gemacht?

Prof. Hakenberg: Die Zunahme bei Lebendspenden ist schon seit einiger Zeit auffällig, nicht erst, seit die des Ehepaars Steinmeier Schlagzeilen gemacht hat. Zwanzig Prozent aller Nierenspenden sind mittlerweile Lebendspenden.

Wären also Lebendspenden eine Lösung für das gegenwärtig noch weiter verschärfte Problem des Organmangels?

Nein, das wären sie nicht. Denn es sind sehr strenge ethische und medizinische Grenzen zu beachten.

Wer darf zu Lebzeiten seine Niere spenden?

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass das nur Verwandte, Verheiratete, Verlobte oder einander sonst sehr nahestehende Menschen dies tun dürfen - wenn hinter ihrer Spende zweifelsfrei keinerlei materielles Interesse steht. Das wird von einer Ethikkommission bei der Ärztekammer gründlich geprüft. Es darf also auch der langjährige Angelfreund seinem Kumpel eine Niere spenden, auch so etwas habe ich schon erlebt. Aber, und das ist die zweite wesentliche Bedingung: Der potenzielle Spender muss völlig gesund sein.

Er muss aber nicht die gleiche Blutgruppe wie der Empfänger haben?

Nein. Hier an der Rostocker Universitätsmedizin haben Urologen und Nephrologen ein spezielles Verfahren zur "Antikörperwäsche" entwickelt, das es auch bei Blutgruppenungleichheit möglich macht, eine Niere zu übertragen.

Bei Familie Steinmeier war es der Mann, im oben beschriebenen Fall der Familie Schig die Frau, die ihre Niere gespendet hat. Welches Geschlecht ist spendenfreudiger?

Lebendspender sind mehrheitlich Frauen, die für ihren Mann, aber beispielsweise auch für ein Kind ihre Niere zur Verfügung stellen.

Aber Frauen sind doch in der Regel kleiner als ihre Männer - sind da nicht auch ihre Nieren kleiner?

Stimmt. Dennoch ist es fast immer machbar, ihre Niere einem größeren Mann einzupflanzen. Sie ist dann zwar nicht so leistungsfähig, wie es die gesunde Niere des Empfängers einmal war, trotzdem reicht ihre Kapazität aus, um dem Mann wieder ein Leben ohne Dialyse zu ermöglichen.

Welche Vorteile hat die Lebendspende gegenüber der Transplantation des Organs eines hirntoten Spenders?

Einerseits handelt es sich bei einer Lebendspende immer um ein hundertprozentig gesundes Organ. Andererseits ist bei einer Lebendspende der Zeitraum viel kürzer, in dem die Niere nicht durchblutet wird. Dadurch sind die Chancen, dass sie im Körper des Empfängers wieder zu arbeiten anfängt, viel größer.

Wann wissen Sie, ob eine Transplantation erfolgreich war?

Der erste wesentliche Punkt ist, dass die Niere im Körper des Empfängers anfängt zu arbeiten. Langfristige Prognosen können wir nach etwa drei Monaten treffen.

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