kontra : „Leben nicht von Industrie allein“

Joachim Brenncke, Präsident Architektenkammer MV
Joachim Brenncke, Präsident Architektenkammer MV

svz.de von
26. März 2014, 11:56 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns prägende Landschaften müssen künftig vom Aufbau neuer Windkraftanlagen ausgenommen werden: In Regionen, die von der Landschaft geprägt seien, dürften keine Windräder errichtet werden, forderte Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. Der Aufbau hunderter Anlagen in MV habe in der Vergangenheit das Landschaftsbild bereits verändert. Die Auswirkungen auf die Baukultur und die Landschaft seien bislang zu sehr wenig bei der Planung von Windeignungsgebieten berücksichtigt worden, erklärte der Chef der Architektenkammer. Auf die möglichen Folgen sei zwar im Landesenergierat hingewiesen worden, bislang hätten sie aber in der Planung neuer Eignungsgebiete eine zu geringe Berücksichtigung gefunden. „Diese Betrachtung ist zu wenig in die Landesraumplanung eingeflossen“, sagte Brenncke. Den Planungen zufolge will Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren die Windeignungsgebiete auf 25 000 Hektar verdoppeln.

Angesichts des Ausstiegs aus der Atomkraft und der Suche nach alternativen Enegiequellen, dürfe man neue Windkraftanlagen zwar nicht nur ablehnen. Vor allem aber in Tourismusregionen sollten die Auswirkungen neuer Windkraftanlagen stärker berücksichtigt werden, forderte Brenncke. So müssten Planer 15 bis 20 Jahre weiterdenken und die Frage beantworten, ob trotz Windrädern auch dann noch Menschen nach MV kommen wollten, um hier Urlaub zu machen. Brenncke: „Mecklenburg-Vorpommern lebt nicht nur von der Industrie.“ Auch in der Nähe von Bauland in Wassernähe, das von Menschen aus Großstädten, die in Mecklenburg-Vorpommern die Ruhe genießen wollten, nachgefragt werde, hätten Energieanlagen nichts zu suchen: „Wenn da Windräder aufgebaut würden, zieht dort keiner mehr hin.“

Raumplaner und die Menschen in der Region müssten künftig stärker für mögliche Auswirkungen der Windkraftanlagen auf das Landschaftsbild sensibilisiert werden, meinte der Kammerpräsidient: „Ist das Geld schneller oder schaffen wir es, Sensibilität für das Thema zu erzeugen?“

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