Lea-Sophies Opa klagt an

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17. Januar 2008, 01:51 Uhr

Schwerin - Trauer und Wut klingen mit, wenn Norbert G. über das lange Leiden seiner Enkelin spricht. „Das wühlt mich alles noch so sehr auf, immer wieder kommen Erinnerungen hoch“, sagt er und legt eine Pause ein.

Norbert G. ist der Großvater der fünfjährigen Lea-Sophie. Am 20. November 2007 war das kleine Mädchen im Schweriner Krankenhaus gestorben. Verhungert und verdurstet unter den Augen seiner Eltern, die seitdem in Untersuchungshaft sitzen.

Nicht gewachsen, nicht zugenommen
Schon lange hatte Norbert G. die Sorge um seine Enkelin umgetrieben. Im November 2006 wusste er sich keinen Rat mehr und bat zweimal im Schweriner Jugendamt um Hilfe. „Dort habe ich berichtet, dass Lea Sophie nicht wächst, nicht zunimmt und sprachlich unterentwickelt ist“, so der Großvater. Darauf hin sei er gefragt worden, ob er glaube, dass bei Lea-Sophie eine Kindeswohlgefährdung vorliege. „Da ich mich mit solchen Fachbegriffen nicht auskenne, habe ich geantwortet, dass diese Frage ein Fachmann beantworten müsse.“ Seine große Besorgnis habe er aber natürlich sehr deutlich gemacht.
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Im Juni 2007 sprach Norbert G. erneut im Jugendamt vor – zum dritten Mal. Wieder habe er die Behörde gedrängt, das Mädchen endlich von einem Arzt untersuchen zu lassen. „Ich habe auch betont, dass dies schwer sein werde, da die Eltern sich immer mehr eingeigelt hätten und einer Untersuchung niemals freiwillig zustimmen würden.“ Auf nur schriftliche Aufforderungen an die Eltern würden Mutter und Vater nicht reagieren, habe er hinzugefügt. Das Amt müsse in die elterliche Wohnung gelangen, wo aber die Klingel abgeschaltet sei.

"Mit Hinweisen auf Datenschutz abgewimmelt"
„Trotz meiner Hinweise ist von behördlicher Seite praktisch nichts passiert“, sagt Norbert G. „Ich wurde mit Hinweisen auf Datenschutz abgewimmelt.“ Er brauche künftig nicht mehr vorstellig zu werden, da er nicht erziehungsberechtigt sei, habe man ihm sogar gesagt. Das kann Norbert G., der Lea-Sophie in ihren ersten beiden Lebensjahren großgezogen hat, bis heute nicht verstehen: „Wenn ein Opa sich um seine Enkelin sorgt, dann muss sich das Amt das Kind doch wenigstens einmal angucken.“

„Wütend“ ist Norbert G. auch über die Behauptung des bis vor kurzem für das Jugendamt zuständigen Dezernenten Hermann Junghans, die Verwaltung habe im Fall Lea-Sophie keine Fehler gemacht. So habe er bei seinen Besuchen im Amt mit mehreren Mitarbeitern gesprochen, die von der Vorgeschichte des Falls jeweils nicht gewusst hätten. Junghans, sagt Norbert G., müsse abgelöst werden.

"Schlag ins Gesicht"
„Enttäuscht“ ist der Großvater auch von Oberbürgermeister Norbert Claussen, der nach dem Tod des Mädchens gesagt hatte: „Es hätte in jeder anderen Stadt passieren können, und der, dem es passiert ist, hat in diesem Fall Pech gehabt.“ Dies, sagt Norbert G., sei für ihn wie ein „Schlag ins Gesicht gewesen“.
Heute wird Norbert G. im Untersuchungsausschuss der Stadtvertretung aussagen. Im Vorfeld teilte die SPD-Stadtfraktion gestern mit, dass die vollzogene Ausgliederung des Jugendamtes aus Hermann Junghans’ Dezernat nicht ausreiche. Fraktionschefin Manuela Schwesig: „Solange Junghans im Amt bleibt, erleidet unsere Stadt weiteren Schaden.“

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