Lea-Sophie: Eltern unter Mordanklage

von
19. Februar 2008, 10:23 Uhr

Schwerin - Die Anklage gegen die Eltern der verhungerten Lea-Sophie lautet auf Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen. „Wir sehen das Mordmerkmal wegen der besonderen Grausamkeit des Falles gegeben, Lea-Sophie musste sehr leiden“, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick gestern gegenüber unserer Zeitung.
Die Eltern – die 24-jährige Nicole G. und der 26-jährige Stefan T. – sollen dem kleinen Mädchen mindestens seit September 2007 nicht mehr genug zu essen und zu trinken gegeben haben, so die Staatsanwaltschaft. Als Folge der Verwahrlosung erlitt das Kind auch etliche Durchliegegeschwüre im Gesäß- und Rückenbereich.

Eltern: Haben die Gefahr falsch eingeschätztDie Fünfjährige starb am späten Abend des 20. November vergangenen Jahres in den Helios-Kliniken, nachdem der Vater kurz zuvor noch den Notarzt gerufen hatte. Lea-Sophie wog bei ihrem Tod nur noch 7,4 Kilogramm, normal sind in dem Alter etwa 20 Kilogramm. Das zweite Kind der Familie, ein damals knapp zwei Monate alter Säugling, wurde in einer Pflegefamilie untergebracht. Der Junge war in körperlich guter Verfassung.

Zwei Tage nach Lea-Sophies Tod wurden Nicole G. und Stefan T. wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Totschlags in Untersuchungshaft genommen, in der sie sich laut Staatsanwaltschaft noch immer befinden. „Die Eltern haben ausgesagt, die Gefahren ihres Verhaltens für das Kind falsch eingeschätzt zu haben“, so Oberstaatsanwalt Pick. Beeindrucken lassen sich die Ermittler davon offenbar wenig: „Wer einen Menschen grausam tötet, wird wegen Mordes mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft“, sagte Pick. Dies drohe Nicole G. und Stefan T. nun.

Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest, wie eine Sprecherin des Landgerichts Schwerin gestern mitteilte. Laut Prozessordnung müsse die Hauptverhandlung jedoch vor Ablauf einer sechsmonatigen Frist nach Inhaftierung der Beschuldigten eröffnet werden, sagte Hans-Christian Pick. Spätestens also am 21. Mai.

Welche Zeugen die Staatsanwaltschaft für den Prozess benannt hat, wollte der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Auch zu der Frage, ob sich angesichts des Mordvorwurfs das mögliche Strafmaß für Mitangeklagte erhöhen könnte, machte Pick gestern keine Angaben. Wie berichtet, hatte es nach der bundesweit bekannt gewordenen Tragödie etliche Anzeigen auch gegen Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes gegeben, dem laut einem Untersuchungsbericht der Stadt erhebliche Fehler in dem Fall unterlaufen sind. So hatte die Behörde beispielsweise auf Hilferufe des Großvaters von Lea-Sophie nur unzureichend reagiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen