Langzeitrisiken werden von den Sportlern in Kauf genommen

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30. Juli 2012, 07:05 Uhr

Greifswald | Bodybuilding zählt zu den Extremsportarten. Sophie Pawelke sprach mit Dr. Peter Hinz, Oberarzt für Unfall- und Wiederher stellungschirurgie der Uniklinik Greifswald, über die Auswirkungen und darüber, welche Langzeitschäden der Muskelaufbau haben kann. Hinz ist zudem Weltmeister im Bankdrücken und betreibt selbst Kraftsport.

Dr. Hinz, was bedeutet Bodybuilding für den Körper?

Im Gegensatz zu anderen Sportarten kann das Bodybuilding als Philosophie angesehen werden. Es kommt zu einer Einstellung, die ein ganzes Leben lang bleibt. Der gesamte Tagesablauf passt sich an, die Ernährung wird vollkommen umgestellt. Natürlich ist die Belastung sehr hoch. Das ist ähnlich wie beim Rennsport. Ein Auto, das stetig mit Vollgas unterwegs ist, ist nun mal eher runter als ein anderes. Bodybuilder wissen das, dennoch gehen sie an ihr Maximum

Kann jeder seinen Körper so extrem formen?

Klar, jeder kann Bodybuilding betreiben, aber nicht jeder kann dicke Muskeln aufbauen. So wie auch nicht jeder Läufer Langstreckenläufer wird. Nur wenige erreichen perfekten Körperbau, mit dem sie Erfolg haben können. Es gehört schon etwas Talent dazu. Wenn man sich die Profisportler anschaut, dann sind das nach Jahren meist immer die gleichen Gesichter.

Wurden bereits Langzeitschäden bei Bodybuildern beobachtet?

Es gibt gewissen Risiken wie Sehnenabrisse und Überbeanspruchungen, wie in anderen Sportarten auch. Nicht viele Körper halten die Belastung all zu lange stand. Da spielt natürlich auch das Alter eine Rolle. Die Körper nutzen sich dann schneller ab. Aber die Leute gehen dieses Risiko ein. Während des Trainings geraten Bodybuilder in eine Art Ektase - da sind sie nicht bereit, über so etwas nachzudenken. Dann werden Schmerzmittel genommen und weiter trainiert. Aber das ist nicht nur im Bodybuliding so.

Was ist besonders bei Frauen, die diesen Sport ausüben, zu beachten? Ist eine Schwangerschaft ohne Weiteres möglich?

Frauen, die sich zum Bodybuilding entschließen und dennoch eine Familie gründen wollen, müssen zunächst etwas Muskeln abtrainieren. Das geht viel schneller als all die Masse aufzubauen. Das sehe ich auch bei meinen Patienten in der Unfallchirurgie. Nach drei Wochen im Bett ist ein Großteil der Muskeln Muskeln trotz Physiotherapie weg. Rein theoretisch ist eine Schwangerschaft bei extrem trainierten Frauen möglich. Aber meiner Erfahrung nach haben nur wenig Bodybuilderinnen den Wunsch danach. Jeder hat dazu eben seine eigene Lebenseinstellung.

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