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Krusendorf/Picher : Landwirte bangen um Tiere und Ernte

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erstellt am 13.Jun.2013 | 12:09 Uhr

Wenn es ganz schlimm kommt und irgendwo in der Nähe ein Deich bricht, dann müssen insgesamt 1252 Rinder der Agrargesellschaft Krusendorf und der Naturprodukte GmbH – darunter 350 Kühe, die gemolken werden – aus den Ställen und von den Weiden evakuiert werden. Vorbereitet ist alles. Geschäftsführer Rüdiger Karstens weiß, wo er die Tiere unterbringen kann, nämlich in Landwirtschaftsbetrieben in Rodenwalde, Greven und Picher, und woher er schnell die benötigten Transportfahrzeuge bekommt.

„Keine Frage, wir helfen“, sagt Dietrich Drenkhahn von der Agrargenossenschaft Picher. Dort wurde in den letzten Tagen Platz geschaffen. Ein kompletter Stall ist bereits leer, ein weiterer bietet genug Raum für einige der Tiere aus Krusendorf. 340 Jungrinder, Mastbullen und tragende Fersen können die Picheraner aufnehmen. Dafür haben sie ihre eigenen Tiere auf die Weide gebracht. Mehrmals am Tag telefoniert Dietrich Drenkhahn mit seinem Kollegen. Und er fühlt mit. Es könne schnell um die Existenz gehen, sagt er. Selbst mit der Evakuierung seien Gefahren verbunden. Die Tiere seien panisch, könnten sich schnell etwas brechen beim Auf- oder Abladen. Er fühlt mit seinem Nachbarn und spürt, „die haben Angst“.

„Schlecht geschlafen habe ich in den vergangenen Nächten, aber die Deiche hier sind ja neu und gut und werden hoffentlich halten. Trotzdem bleibt im Hinterkopf die Angst, dass was passieren kann“, so Rüdiger Karstens. Der Lüneburger Landkreis empfiehlt weiterhin die Evakuierung und hat alle Tierhalter unterrichtet und auch Hilfe bei der Organisation angeboten. Im Amt Neuhaus werden immerhin etwa 31200 Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehalten. Die Entscheidung, ob man evakuiert oder nicht, liegt bei jedem Betrieb selbst. Eine Entscheidung für eine Evakuierung fällt aber ausgesprochen schwer und wird wohl nur in größter Not getroffen. Denn sie bedeutet einen Riesenstress für alle Tiere, für die Mitarbeiter und Helfer. Und eine Evakuierung bedeutet auch zunächst einmal enorme Kosten. Karstens rechnet mit mehr als 100000 Euro, die zumindest vorzustrecken sind. Ob und was eventuell erstattet wird, ist nicht sicher.


Evakuierung bedeutet enormen StressDie Tiere reagieren empfindlich auf Stress. Die Kühe geben weniger Milch in ungewohnter Umgebung, mit einigen Tierverlusten ist zu rechnen, Futter muss transportiert werden, Mitarbeiter müssten in der Nähe untergebracht werden.
Doch das ist nur die eine Seite des Hochwassers. Ernteverluste sind jetzt schon abzusehen. Beide Betriebe zusammen wirtschaften auf 1700 Hektar, je zur Hälfte Grünland und Ackerland. Rund 160 Hektar Grünland liegen im Deichvorland. Die extensiv bewirtschafteten Flächen dürfen erst ab dem 1. Juli abgeerntet werden. Die Biosphärenreservatsverwaltung hatte zwar erlaubt, sie vorher zu mähen, aber das war im Betriebsablauf gar nicht mehr zu schaffen, so Karstens. Dafür wurde alles Grünland hinter dem Deich geborgen. Doch wenn der Geschäftsführer an den Feldern in Deichnähe, auf denen Getreide und Mais wächst, vorbeifährt, verdüstert sich sein Blick. Schon jetzt ist jede Menge Qualmwasser zu sehen. Wenn das einige Tage dort steht, ist der Aufwuchs verdorben. Rüdiger Karstens rät dringend, sich Gedanken über die Beseitigung der Verbuschung zu machen. „Dann würde das Hochwasser weniger stark auflaufen“, ist er überzeugt.

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