Landräte: Verteidigungsminister hält an "Bombodrom"-Plänen fest

Am Neujahrstag protestierten circa 1200 Menschen in Schweinrich gegen den geplanten Bombenabwurfplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide. Traditionell organisiert die Bürgerinitiative 'Freie Heide' am Neujahrstag eine Wanderung gegen die militärische Nutzung des 'Bombodroms'.
Am Neujahrstag protestierten circa 1200 Menschen in Schweinrich gegen den geplanten Bombenabwurfplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide. Traditionell organisiert die Bürgerinitiative "Freie Heide" am Neujahrstag eine Wanderung gegen die militärische Nutzung des "Bombodroms".

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04. Januar 2008, 02:13 Uhr

Neustrelitz/Neuruppin/Berlin - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hält den geplanten Luft-Boden-Schießplatz in Nordbrandenburg weiter für unverzichtbar. Das geht aus einem Schreiben des Ministers an die Landräte in Waren, Neustrelitz und Neuruppin hervor, wie die Kreisverwaltungen am Freitag mitteilten. Die Landräte Bettina Paetsch (CDU), Kathrin Knuth (CDU) und Christian Gilde (SPD) befürchten, dass der vom sogenannten Bombodrom ausgehende Fluglärm 15 000 Arbeitsplätze im Tourismus gefährden könnte. Nach Ansicht von Jung kann es nur um einen gerechten Ausgleich zwischen regionalen Interessen und verteidigungspolitischen Belangen gehen.

Die Landräte hatten Jung mit Verweis auf den langjährigen Streit vor Gerichten gebeten, die Planungen für den Tiefflugübungsplatz aufzugeben. Angesichts heutiger Gefahren wie der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus seien gut ausgebildete und schnell verfügbare Einsatzkräfte mehr denn je erforderlich, erklärte jedoch Jung. Dies gelte besonders für die Luftwaffe, die dazu kontinuierlich üben müsse. Ein Luft-Boden-Schießplatz Wittstock biete wie kein anderer Ort in Deutschland und im nahen Ausland "vergleichbar hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten" und sei der einzige Platz bundesweit, der die Übung realitätsnaher Einsätze erlaube.

Die Lärmbelastungen für die Region werden sich laut Ministerium in "einem zumutbaren Rahmen halten". So seien "Selbstbeschränkungen" bei Überflügen bestimmter Gebiete wie der Müritz sowie eine Unterbrechung der militärische Nutzung in den Sommerferien beider Bundesländer, an Wochenenden und Feiertagen geplant. Die Landräte äußerten sich über die Antwort des Verteidigungsministers "enttäuscht".

Um den rund 14 000 Hektar großen ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz wird seit 15 Jahren gestritten. Vor allem Tourismus-Anbieter in der Region befürchten eine starke Lärmbelastung und damit einhergehende wirtschaftliche Einbußen. Bisher verhindern Gerichtsentscheidungen die Inbetriebnahme des "Bombodroms". Zuletzt hatte das Potsdamer Verwaltungsgericht am 31. Juli 2007 den Klagen eines Putenmästers aus dem Kreis Ostprignitz-Ruppin, der Gemeinde Lärz (Müritzkreis) und eines Hoteliers aus dem Ort gegen eine militärische Nutzung stattgegeben. Erst am Neujahrstag hatten wieder 1200 Menschen gegen die Militärpläne protestiert.

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