Landgestüt vor der Stunde Null

Till Backhaus hat als Dienstherr des Landgestütes Redefin gestern zum großen Befreiungsschlag ausgeholt. Alle Vorwürfe gegen das Gestüt sollen schnell und ohne Vorbehalte aufgeklärt werden, seit gestern hat das Gestüt einen neuen Chef und es wird ab sofort an einem Konzept für die Zukunft des Landesbetriebes gearbeitet.

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28. Februar 2008, 08:20 Uhr

Redefin- Mit Hans-Thomas Sönnichsen gibt es seit gestern einen Übergangschef im Landgestüt, der ausdrücklich nicht den sonst üblichen Titel des Landstallmeisters trägt. Roland Mehling, der stellvertretende Landstallmeister, lässt sein Amt mit sofortiger Wirkung ruhen bis die konkret gegen ihn gerichteten Vorwürfe geklärt sind. Der neue Übergangschef macht sich ab sofort an die Erarbeitung eines neuen Konzeptes für das Gestüt. Das soll zwar in Landesbesitz bleiben, aber nicht unbedingt in seiner bisherigen Form als Landesbetrieb. Backhaus betonte, dass sich das Gestüt langfristig wirtschaftlich mit einem Privatbetrieb vergleichen müsse.

Parallel zur Neuausrichtung sollen alle gegen das Gestüt und seine Mitarbeiter erhobenen Vorwürfe „schnell und vorbehaltlos“ aufgeklärt werden. Bis gestern gab es dazu keine endgültigen Ergebnisse.

Der Tag im Gestüt begann gestern mit einer Betriebsversammlung, bevor Till Backhaus vor die Presse eilte. Sein mehrtägiges Schweigen zu den Vorwürfen erklärte er mit der Verantwortung für die Mitarbeiter. Doch eigentlich wollte der Dienstherr des „immer noch schönsten Gestüts in Deutschland“ eine Komplettlösung für das Gestüt anbieten und das tat er gestern, indem er seinen Freund Sönnichsen aus dem Ruhestand holte und in den obersten Sattel des Landes setzte. Sönnichsen ist als langjähriger Geschäftsführer der Landgesellschaft MV vor allem Kaufmann und Vermarkter. Beides wird in Redefin gebraucht. Sönnichsen kündigte gestern an, möglichst schnell die Geschicke zu übernehmen und sich um die Motivation der Mitarbeiter zu kümmern. Die habe unter dem Eindruck der veröffentlichten Anschuldigungen nämlich enorm gelitten. Und bis nichts bewiesen sei, müsse die Unschuldsvermutung gelten.

Der 65-jährige Ruheständler hat sehr kurzfristig von dem neuen Angebot erfahren. Der bisherige Landstallmeister, Dr. Siegfried Hoffmann hatte zuvor vom Krankenbett aus seinen Rückzug erklärt. Nach seiner Genesung soll er in das Landesamt, von dem er seit dem 1. Mai vergangenen Jahres abgeordnet war, zurückkehren.

Mit den Vorwürfen gegen das Gestüt habe der Wechsel an der Spitze jedoch nichts zu tun. Ebenfalls keinen Zusammenhang gäbe es zwischen der Prüfung des Landesrechnungshofes (LRH) und den Anschuldigungen – der LRH habe routinemäßig geprüft.

Backhaus nahm auch Stellung zum Stand der Untersuchungen. Die Beziehungen zwischen dem Reit- und Fahrverein würden transparenter gestaltet. Alles, auch die zum Teil immer noch anonymen Anschuldigungen würden geprüft. Dafür seien die Vorwürfe zu massiv. Backhaus erwähnte, dass die interne Revision seines Hauses bereits mehrfach in Redefin tätig war.

Zu konkreten Untersuchungsergebnissen, so der Minister auf Nachfrage weiter, könne er noch nichts sagen. Konkret untersucht würden etwaige private Nutzung von Fahrzeugen des Gestütes, der Bereich Futtermittel und auch die Nutzung der Liegenschaften. Noch sei überhaupt nichts erwiesen, müsse für die Mitarbeiter die Unschuldsvermutung gelten.

Die Agrarpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, hat vor der Beratung des Landwirtschaftsausschusses zum Thema Landesgestüt Redefin unterstrichen, dass für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Landgestüts eindeutige Vorgaben notwendig sind. „Der Besuch unseres Arbeitskreises hat deutlich gemacht, dass in der Vergangenheit ganz offensichtlich klare und eindeutige Regelungen zur Nutzung des Gestütsgeländes durch den Reit- und Fahrverein Redefin fehlten. Hier muss das Ministerium als Aufsichtsbehörde schnell reagieren... Auch die Tatsache, dass es für den Aufkauf von Futtermitteln keine Ausschreibungen gegeben hat, ist kritisch zu sehen und muss verändert werden.“

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