Landesbibliothek auf einen Klick

Die Landesbibliothek MV schlägt ein neues Kapitel in der Informationspräsenz auf. Die Nutzer sollen den Wissensfundus verstärkt via Internet am heimischen PC aufrufen können. Noch 2008 werden historische Stadtansichten virtuell verfügbar sein. Ganz neu und real bieten die Schweriner einen speziellen Mecklenburg-Lesesaal für Heimat- und Hobbyforscher an.

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03. März 2008, 03:32 Uhr

Schwerin - „Wir wollen die Möglichkeiten des Internets und der international verfügbaren Datenbanken verstärkt an unsere Nutzer bringen“, lautet die Zielrichtung von Landesbibliotheksleiter Frank Pille. Einen Schritt in Richtung digitale Zukunft hat das 21-köpfige Team bereits vollzogen. Seit Jahresbeginn ist dank der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erworbenen Nationallizenzen ein breites Angebot an hoch- und populärwissenschaftlichen Fachzeitschriften online verfügbar. „Derzeit muss man dafür zwar noch in die Bibliothek kommen“, erkärt der Chef, „aber wir arbeiten an einer Lösung, mit der Nutzerkartenbesitzer auch vom PC zu Hause auf die jeweils aktuellsten Ausgaben zugreifen können“.
Zum Angebot zählen Titel wie „Science“, „Nature“ oder „Bild der Wissenschaft“. Momentan wird die Online-Funktionalität in einer verwaltungsinternen Testphase erprobt.

Darüber hinaus soll noch in diesem Jahr ein – allerdings kostenpflichtiger – Internetschnell-Lieferdienst freigeschaltet werden. Im Rahmen des von Hannover aus zentral koordinierten Systems wollen auch die Schweriner eilige Nachfragen selbst binnen 24 oder 12-Stunden bedienen können. Daten, wie Auszüge aus Fachzeitschriften oder Aufsätze, werden direkt digitalisiert und per Mail zugeschickt. Die Kosten liegen laut Pille zwischen acht und 20 Euro.
Als virtuell-visuellen Leckerbissen will die Bibliotheksmannschaft außerdem die bereits online verfügbare Landesbibliographie um eine historische Postkartensammlung mit Stadtansichten sowie alten Landkarten ergänzen. Online-Start ist noch 2008 geplant.
Überraschenden Zuwachs bekam die Motivpalette vor wenigen Tagen. Bei einem Stettin-Besuch überreichten die polnischen Gastgeber den Schweriner Kollegen eine Mappe mit historischen Stadtansichten (Foto). Die sollen in eine zweisprachige Internet-Bibliographie für Mecklenburg und Pommern einfließen, erklärt Pille.
Bei allen Online-Angeboten bleibt natürlich weiter die normale und kostenlose Ausleihmöglichkeit im Neubau an der Schweriner Stellingstraße sowie die klassische Fernleihe für 1,50 Euro Schutzgebühr, versichert der promovierte Kernphysiker und Bibliothekswissenschaftler.
Die Doppelstrategie mit Büchern und Bytes verlangt den Mitarbeitern einiges ab. Umso mehr, als deren Zahl im Zuge des Personalabbaus im Landesdienst in den nächsten Jahren von zuvor 25 auf 15 sinkt.
„Eine nicht gerade einfache Situation“, räumt der Chef ein. Deshalb müsse man die Automatisierung vorantreiben und „Selbstbedienungsfähigkeiten“ stärken. „Sicher werden unsere Mitarbeiter weiter am Informationsstand stehen“, sagt Pille, „aber gleichzeitig versuchen wir auch, unsere Nutzer in Schulungen fit für den Umgang mit dem Online-Katalog und der Internet-Recherche zu machen“.
Ganz real fassbare Fortschritte gibt es überdies für alle landeskundlich Interessierten. Der Ausbau eines Mecklenburg-Lesesaals läuft zwar noch bis zum Sommer. Der mit historischen und aktuellen Beständen rund um das Land ausgestattete Raum ist aber bereits nutzbar.
Möglichweise gibt es dafür demnächst spannende Neuzugänge. Bei der Stettin-Visite warf der Schweriner Landesbibliothekschef einen Blick in dort während des Krieges eingelagerte deutschsprachige Bibliotheksbestände – und war begeistert. „Die sind noch völlig unerschlossen “, schwärmte er. Beim flüchtigen Sichten stieß Pille bereits auf Protokolle des Reichs-Landwirtschaftsausschusses, auf Unterlagen aus Oberösterreich, eine komplette Gymnasialbibliothek aus der Gründerzeit... Jetzt hoffen die Mecklenburger auf eine gemeinsame Aufarbeitung der bibliothekarischen Schätze – und auf Unterstützung möglichst in Form von Fördergeldern.

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