zur Navigation springen

Länger schlafen und länger arbeiten: Deutschland dreht am Zeiger

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2012 | 09:06 Uhr

Langschläfer freuen sich, Nachtarbeiter müssen länger schuften: Von Samstag auf Sonntag ist die Nacht wegen der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde länger. Am frühen Sonntagmorgen (28. Oktober) werden die Uhrzeiger um 3.00 Uhr eine Stunde zurückgedreht. Für Millionen Menschen in Deutschland bedeutet das mehr Schlaf. Einige Pechvögel, die in dieser Nacht arbeiten müssen, haben jedoch eine unfreiwillige Überstunde vor sich.

Viel Arbeit steht auch der Wiesbadener Familie Stern bevor: In ihrem „Kuckucksuhr-Laden“ hängen rund 300 Exemplare, die von Hand auf die Winterzeit umgestellt werden müssen. Etwas bequemer haben es da die Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Zwar gibt es auf Bahnsteigen, in Fahrkartenautomaten und Diensträumen bundesweit rund 120.000 Uhren. Diese werden jedoch in der Regel automatisch umgestellt. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig sendet ein Funksignal, dass alle Funkuhren in Deutschland erreicht. Einige Bahn-Funkuhren werden so automatisch umgestellt, andere erhalten das Signal über sogenannte Mutteruhren weitergereicht. Nach einer Stunde sollen alle 120.000 Uhren auf dem aktuellen Stand sein.

Reisende müssen eine Stunde in Nachtzügen warten
Eine Wartezeit von einer Stunde steht Zugreisenden bevor, die in der Nacht unterwegs sind. Etwa 40 Nachtzüge stoppen an Bahnhöfen und fahren eine Stunde später weiter, um exakt im Fahrplan zu bleiben.
In Ballungsgebieten, wo S-Bahnen nachts fahren, verkehren mehr Züge.

Soll eine Bahn sonntags etwa um 2.32 Uhr abfahren, startet dieses Wochenende ein Zug nach der Sommer- und einer nach der Winterzeit.

Die Bahnmitarbeiter in der Nachtschicht haben „Leidensgenossen“, denn in manchen Fabriken und in Kraftwerken muss permanent Personal da sein. In der Total Raffinerie im sachsen-anhaltinischen Leuna müssen am Wochenende etwa 80 Mitarbeiter durch die Zeitumstellung eine Stunde länger arbeiten, wie Raffinerieleiter Reinhard Kroll der dapd sagte. „Wir können ja nicht nach acht Stunden alle nach Hause schicken und dann läuft die Raffinerie eine Stunde mutterseelenallein.“ Eine Raffinerie könne außerdem nicht per Knopfdruck an- und abgeschaltet werden. Alle Mitarbeiter bekommen laut Kroll ihre Überstunde extra ausbezahlt.

Auch beim Pharmaunternehmen Bayer in Berlin müssen in der Nacht auf Sonntag etwa 25 Mitarbeiter Medikamente verpacken. Der Grund dafür sei ein kurzfristiger Auftrag, sagte eine Sprecherin von Bayer. Auch hier läuft die Nachtschicht eine Stunde länger. Diese bekommen die Mitarbeiter auf ihrem Überstundenkonto gutgeschrieben.

Während manche arbeiten, gehen viele andere Menschen feiern. Doch auch wenn dafür mehr Zeit bleibt - mehr Einnahmen erwarten die Betreiber von Musikclubs nicht. „Die Leute halten sich meist drei, vier Stunden in den Discos auf - und das Budget ist beschränkt“, sagte der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Discotheken, Stephan Büttner.

Mehr Unfälle in der dunklen Jahreszeit
Vor negativen Auswirkungen der Zeitumstellung warnen der Auto Club Europa (ACE) und der Tierschutzbund. In der Winterzeit sei die Zahl der Dunkelheitsfahrten höher und damit auch das Unfallrisiko größer, hieß es vom ACE. Der Tierschutzbund wies darauf hin, dass die Zahl der Wildunfälle in den kommenden Monaten zunehmen werde.

Mehr Autofahrer seien in der Dämmerung oder der Dunkelheit unterwegs und könnten kreuzende Tiere oftmals erst sehr spät erkennen.

Die Winterzeit gilt etwa fünf Monate bis zum 31. März 2013. Am Zeiger der Uhren wird in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und weiteren Nachbarstaaten gedreht. Die Sommerzeit war in der Bundesrepublik 1980 eingeführt worden, andere europäische Länder hatten da bereits vorgelegt. Sie führten die Sommerzeit als Reaktion auf die Ölkrise ein, um mit mehr Tageslicht am Abend Energie zu sparen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen