Kurze Sätze und keine Vorwürfe

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21. September 2012, 09:29 Uhr

Der heutige Weltalzheimertag macht unter dem Motto "Demenz: zusammen leben" auf die Situation der Erkrankten und ihrer Angehörigen aufmerksam. Beim Lesertelefon beantworteten Dr. Lutz Michael Drach, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie an den Schweriner Helios Kliniken, Ute Greve vom Zentrum Demenz in Schwerin und Schwerins Amtsärztin Renate Kubbutat Fragen der Leser.

Wie lange habe ich mit der Diagnose Alzheimer noch zu leben?

Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Statistisch gesehen beträgt die durchschnittliche Dauer der Alzheimer-Krankheit sieben Jahre nach Diag nosestellung. In einigen Fällen leben Demenzerkrankte aber noch bis zu 20 Jahre. Die Demenzerkrankung selbst ist nicht ursächlich für den Tod verantwortlich. Die meisten Betroffenen sterben zum Beispiel an Erkrankungen, die durch die Bettlägerigkeit im Endstadium der Krankheit begünstigt werden - zum Beispiel Lungenentzündung, Lungenembolie infolge Thrombosen oder Blutvergiftung (Sepsis).

Ich habe vor Kurzem gelesen, dass man einer Demenzerkrankung vorbeugen kann. Stimmt das?

Bislang gibt es leider keinen Schutz, zum Beispiel durch eine Impfung. Es gibt aber Faktoren, die das Erkrankungsrisiko verringern können. Dazu gehören Sport sowie geistige und soziale Aktivitäten, aber auch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Darüber hinaus sollte die Ernährung fett- und cholesterinarm sein. Besteht bei Ihnen eine Gefährdung durch Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Diabetes mellitus, sollten Sie dieses regelmäßig überprüfen und behandeln lassen.

Ich pflege meine demenzkranke Mutter jetzt schon seit vier Jahren. Ich habe das Gefühl, mir wächst die Pflege über den Kopf. Was kann ich dagegen tun?

Weder Ihrer Mutter noch sonst jemandem ist gedient, wenn Sie aus Überforderung selbst erkranken. Sorgen Sie für Ihre Gesundheit, indem Sie sich Zeit für sich selbst nehmen und sich durch professionelle Unterstützung bei der Pflege entlasten oder auch geschulte Ehrenamtliche stundenweise in Anspruch nehmen. Manchmal hilft es auch, sich mit Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. In vielen Orten gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken. Wenden Sie sich zum Beispiel an eine Regionalstelle der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Dort erhalten Sie Auskünfte, ob bzw. wo es auch in Ihrer Nähe Selbsthilfegruppen gibt. Sie erhalten auch Auskünfte über die Angebote des "Betreuten Urlaubs", eine sehr zu empfehlende Möglichkeit, mit dem Erkrankten gemeinsam in den Urlaub zu fahren und am Urlaubsort Unterstützung in Anspruch nehmen zu können.

Meine Oma lebt im Pflegeheim. Leider habe ich berufsbedingt nicht die Möglichkeit, sie jeden Tag zu besuchen. Ich befürchte, dass meine Oma im Pflegeheim nicht gut behandelt wird. Was kann ich tun?

Sprechen Sie mit der zuständigen Bezugspflegekraft oder mit der Wohnbereichsleitung. Häufig können so schon viele Dinge geklärt werden. Zeigt das keine Wirkung, sollten Sie die Heimaufsicht oder die Pflegekasse einschalten. Diese gehen Hinweisen auf Mängel umgehend nach. Die Heimaufsicht finden Sie üblicherweise bei den Sozialbehörden, die Pflegekassen sind bei den Krankenkassen integriert.

Ich kann mich mit meinem demenzkranken Opa kaum noch unterhalten, ohne dass das Gespräch eskaliert. Was mache ich falsch?

Versuchen Sie, Vorwürfe zu überhören. Diese sind oft Ausdruck von Hilflosigkeit und richten sich nicht gegen Sie persönlich. Vermeiden Sie Diskussionen oder Kritik, da es zu nichts führt. Demenzerkrankte brauchen, wie wir alle, Bestätigung. Da hilft es eher, über Dinge zu sprechen, die der Demenzerkrankte gut gemacht hat - aber bitte in kurzen, einfachen und aussageklaren Sätzen. Bringen Sie nie zu viel Information in einem Satz unter. Bedenken Sie, dass der Erkrankte viele Dinge nicht mehr so versteht, wie wir sie meinen, und es daher zu Missverständnissen kommen kann.

Mein Mann hat Demenz. Der Antrag auf Pflegegeld ist abgelehnt. Jetzt ist mein Enkelkind geboren und ich möchte dorthin fahren. Meinen Mann kann ich nicht mitnehmen, aber auch nicht alleine lassen. Welche Möglichkeit habe ich?

Sie können Ihren Mann in einer Kurzzeitpflege unterbringen. Auch wenn er keine Pflegestufe hat, ist das möglich. Allerdings müssen Sie die Kosten tragen. Sie können Leistungen der Betreuung nach § 45 a nach SGB XI beantragen, auch wenn Ihr Mann noch nicht pflegebedürftig ist. Diese Leistungen können dazu verwendet werden, die Kurzzeitpflege oder stundenweise Entlastung zu finanzieren.

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