Kunst auf den Nagel bringen

Nageldesignerin Claudia Henszelewski hat ihre Motive im Kopf, malt ohne Schablone. Dafür ist viel Fingerspitzengefühl nötig. Werbefachmann Ronald Borgwardt hat es probiert. Anne-Kathrin Gieseking
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Nageldesignerin Claudia Henszelewski hat ihre Motive im Kopf, malt ohne Schablone. Dafür ist viel Fingerspitzengefühl nötig. Werbefachmann Ronald Borgwardt hat es probiert. Anne-Kathrin Gieseking

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01. Februar 2010, 11:48 Uhr

Bützow | Fragile Millimeter-Arbeit trifft auf Schriftenmalerei. Claudia Henszelewski und Ronald Borgwardt arbeiten beide in kreativen Berufen. Als Inhaber der Firma Borgwardt-Werbung in Bützow ist es der 49-Jährige gewohnt, sich kreativ auszulassen. Auch Claudia Henszelewski liebt die Gestaltungsfreiheit in ihrem Beruf als Nageldesignerin. Der einzige Unterschied zwischen den Beiden ist die Größe ihrer "Leinwände". Für SVZ malte Borgwardt ausnahmsweise mal einen Fingernagel an und musste feststellen, dass Nageldesigner viel mehr Fingerspitzengefühl benötigen.

Die Kunst auf dem Nagel. "Der Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe 130 Farben zur Verfügung. Da findet jeder etwas für seinen Nagel", sagt Claudia Henszelewski. Neid empfindet die 27-Jährige schon ein wenig, wenn sie die Möglichkeiten von Ronald Borgwardt hört. "Wir können mit dem Computer metallische Effekte hervorrufen, den Untergrund verändern und sogar flocken", erzählt der Werbe-Fachmann. Die Nageldesignerin staunt. Dafür habe sie einer Kundin schon ihr Tierkreiszeichen auf den Nagel gemalt. Alles ohne Schablonen.

Beide haben andere Herangehensweisen: Während Claudia Henszelews ki ihr Motiv vom Kopf auf den Nagel malt, arbeitet Ronald Borgwardt sein Konzept am Computer aus. "Die besten Aufträge sind, wenn der Kunde eine ungefähre Idee hat, mir aber freien Lauf lässt", sagt der Bützower. Die Bandbreite seiner Arbeit mache den Beruf so reizvoll. Die gesamte Palette der kreativen Gestaltung möchte Ronald Borgwardt auch im Miniatur-Format auskosten. "Ich würde gerne Wimpern auf den Nagel malen", sagt der 49-Jährige.

Damit dieses Experiment auch bei (fast) jedem Nagel gelingen kann, sollte gerade jetzt nicht so nachlässig mit der Handpflege umgegangen werden. Besonders bei niedrigen Temperaturen ist die Haut oft rissig und spröde. Deswegen ist es wichtig, sich besonders im Winter um die Hände zu kümmern. "Ich creme mich im Winter bis zu viermal am Tag ein. Am Besten schmiert man sich dick Creme auf die Hände, zieht Baumwoll-Handschuhe an und Latex-Handschuhe darüber und geht damit schlafen", sagt Claudia Henszelewski. So könne die Creme über Nacht intensiver in die Haut eindringen. Wenn es um das Kürzen der Nägel geht, sollte man immer auf Kunststoff setzen. "Metall-Feilen splittern den Nagel und machen ihn dadurch brüchig", erklärt die Bützowerin. Außerdem solle man stets kalzium- und magnesiumreiche Nahrung zu sich nehmen. "Dann hat man auch keine kleinen weißen Flecken auf den Nägeln", sagt Claudia Henszelewski.

Nachdem die Bützowerin alles desinfiziert, den Naturnagel gefeilt und die Verlängerung aufgeklebt hat, kann die kreative Arbeit auch schon beginnen. Mit feinen Nagellack-Stiften wird das Motiv auf den Nagel gebracht. "Wichtig ist, dass die Konturen fein auslaufen", erklärt die Nageldesignerin.

Die feine Gestaltung der Produkte sei auch im Beruf von Ronald Borgwardt wichtig. Trotzdem ist dem Bützower ein wenig mulmig zumute. Sonst steht der 49-Jährige vor großen Wänden oder Schildern. Jetzt hat er nur einen zentimetergroßen Nagel vor sich. Eine zitternde Hand kenne er aber schon aus seinem Beruf. "Ich helfe mir mit der anderen Hand, damit ich nicht so zittere", sagt er. Noch einmal kurz durchatmen. Dann beginnt Ronald Borgwardt sein Kunstwerk. Vorsichtig streicht er den Nagellack an der Flasche ab. "Wo ist denn hier oben und unten? Bei einem Schild weiß ich das", sagt der 49-Jährige. Nervös dreht er die Hand. Wo nur anfangen? Dann der erste Pinselstrich. "Die Farbe ist komisch. Ich arbeite unter anderem mit Wasserfarben. Die verlaufen ganz anders", flüstert er.

Die Oberfläche des Nagels macht dem Bützower zu schaffen. "Die Schilder sind härter und nicht gewölbt. Das ist ein ganz anderes Arbeiten. Das ist mir zu fummelig", sagt er schließlich. Nach der letzten Wimper stellt Ronald Borgwardt fest: Das Grobe liege ihm mehr.

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