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22. November 2017 | 08:42 Uhr

Krude Verse

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 07:46 Uhr

Im Alter entwickeln sich manche Menschen mitunter merkwürdig. Bei Künstlern wie Schriftstellern scheint diese Wandlung besonders ausgeprägt zu sein. Erst Martin Walser und jetzt Günter Grass? Der große deutsche Literaturnobelpreisträger hat sich mit seinem Text, der wohl ein Gedicht sein soll, dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. Und schon bei der Lektüre wird klar, dass offenbar genau dies, die Provokation und der Aufschrei, genau seine Absicht gewesen ist.

Natürlich ist es legitim, die Politik der israelischen Regierung zu kritisieren. Doch der Literat stellt des demokratische Israel auf eine Stufe mit der Diktatur des Iran, vergleicht das Recht auf Verteidigung des Existenzrechtes der einen Seite mit den Drohgebärden und der atomaren Aufrüstung der anderen. Gerade Grass mit seinem schwarzen Loch in seiner Biographie, dem langen Schweigen über seinen Dienst in der Waffen-SS, hätte etwas mehr Zurückhaltung und Differenzierung gut angestanden.

Die Reaktion auf sein unseliges Pamphlet ist so einhellig wie berechtigt. Warum Angela Merkel dazu schweigt bleibt wohl ihr Geheimnis. Natürlich ist die Kunstfreiheit ein wertvolles Grundrecht. Niemand hindert Grass daran, seine kruden Verse zu veröffentlichen. Aber es ist nicht nur das gute Recht, sondern auch die Pflicht der Kritiker, deutlich und entschlossen auf sein altersstarres und realitätsfernes Lebenszeichen zu reagieren und zu sagen, was gesagt werden muss.

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