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22. September 2017 | 10:21 Uhr

Krankheit mit Unbekannten

vom

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 12:25 Uhr

Sie spielen nicht mit anderen Kindern oder sind auf spezielle Themen fixiert oder haben keine Angst vor normalen Gefahren oder sind in Teilbereichen außergewöhnlich begabt – Autismus ist schwer zu diagnostizieren. Zu unterschiedlich sind die Erscheinungsformen dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung. Gestern hatte das CJD Prignitz zu einer Fachtagung nach Pritzwalk eingeladen.
14 erwachsene Autisten betreut das CJD in seinen Wohn- und Tagesfördereinrichtungen in Seefeld und im Stift Marienfließ in Stepenitz. „In Stepenitz planen wir eine Erweiterung, acht Plätze kommen dazu“, sagt Jörg Stricker, Bereichsleiter Behinderte. Doch selbst dann bleibe das Angebot weit unter dem Bedarf. „Bundesweit erhalten wir Anfragen, ohne dass wir Werbung machen“, so Stricker. Geradezu riesig sei der Betreuungsbedarf bei Autisten im Kinder- und Jugendalter sowie in der ambulanten Versorgung. Dem stimmen das Oberlinhaus Potsdam und die Samariteranstalten Fürstenwalde zu. Alle drei Träger arbeiten seit 2009 in der Autistenbetreuung zusammen.

Autismus sei längst kein Randphänomen mehr. „Die erkannten Fälle nehmen zu, weil sich die diagnostischen Möglichkeiten verbessern“, erklärt Maria Kaminski, Vorsitzende des Bundesverbandes Autismus Deutschland e. V. Nach neuesten Studien hätten mehr als zwei Prozent der Allgemeinbevölkerung ein Autismussyndrom und jeder vierte Mensch mit einer Intelligenzstörung. In Brandenburg soll es etwa 17 800 betroffene Menschen geben.

Neben einer stationären Betreuung gebe es weitere Schwierigkeiten, die schon mit der Diagnose beginnen. Diese koste viel Zeit, betonen die Experten. Zeit, die sich nur wenige Ärzte nehmen würden. Noch kritischer sehe es bei der medizinischen Betreuung von Autisten aus.
Praxen und Krankenhäuser täten in der Regel zu wenig, so Professor Matthias Dose, ärztlicher Direktor in der Klinik Taufkirchen. Teils seien sie überfordert, teils investieren sie schlichtweg zu wenig Zeit. Das Netz an kompetenten Krankenhäusern für die Behandlung von Autisten müsste viel enger geknüpft sein. Die Fachtagung habe auch zum Ziel, regionale Mediziner wachzurütteln. Mehrere Prignitzer Ärzte seien der Einladung gefolgt.

Dabei sei die Prignitz noch in einer glücklichen Lage. Mit dem Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin habe das CJD einen verlässlichen Partner. 30 stationäre Betten gibt es für Menschen mit geistiger Behinderung, dazu betreue das Haus ambulant 450 Menschen, darunter Autisten, sagt Fachärztin Dr. Tanja Sappok.

„Andere Bundesländer nehmen wir gar nicht in die Betreuung auf. Für die Prignitz haben wir uns entschieden, weil das CJD über sehr engagierte Mitarbeiter verfügt“, begründet Dr. Sappok. Wichtig bei der Betreuung sei ein dichtes Netz. Eine in der Klinik begonnene Therapie müsse in Wohnstätten fortgesetzt werden.

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