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24. November 2017 | 06:58 Uhr

Kränke(l)nde Debatte

vom

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2013 | 08:11 Uhr

Da kann der Bürger nur staunen: Einen Monat statt bundesweit nur zwei Wochen ist ein Güstrower Verwaltungsmitarbeiter im Jahr krank - im Durchschnitt der Verwaltung, wohlgemerkt. Doch gegen eine Untersuchung, warum dem Bürger nur deshalb gut 8 Prozent der ihm gebührenden Leistungen nicht erbracht werden, sträuben sich neun Stadtvertreter, weiteren sechs scheint das gleich egal zu sein. Von "Verschleiß" spricht Sascha Zimmermann, was jeden Motor irgendwann ins Stottern bringt - doch eine Inspektion auch seines "Motors" will der FDP-Mann nicht. Und völlig verquer liegt Karen Larisch. Die anerkannte Familienpolitikerin sollte sich mal ihre eigene Argumentation reinziehen - dann müsste sie sich selbst fragen, warum sie denn gegen den Antrag gestimmt hat. Die Debatte krankt.

Richtig ist: Torsten Renz hat sich in seiner Argumentationslinie vergriffen. Stammtischparolen darf man sich denken, und man darf sie dort äußern, wo sie hingehören. In der Stadtvertretung aber pauschal mit Unterstellungen zu artikulieren, das musste bissigen Widerspruch provozieren.

Indes, Renz ist nicht allein. Bürgermeister Arne Schuldt etwa behauptet, es gäbe gar nicht mehr Überstunden. Nicht mehr als vor dem einsetzenden Personalabbau, der den verbleibenden Mitarbeitern Mehraufgaben auflastet, neben durch Krankheitsfälle bedingte Mehrarbeit. Für den Verwaltungschef versteckt sich dahinter die hypothetische Frage, ob bisher auch immer alle ausgelastet waren… Schuldt verweist gerne und zurecht auf flexible Arbeitszeiten, sanierte Räume, ergonomisch durchdachte Technik im Rathaus. Es gibt aber bekannterweise noch viel mehr Faktoren, die die Gesundheit der Mitarbeiter beeinflussen: Arbeitsintensität, ungeliebte Tätigkeiten im Übermaß, kollegiales Klima, Führungsqualitäten… Die Palette von Anregungen (nicht Behauptungen!) ließe sich fortsetzen.

Zu sehen ist: Da passt einiges nicht zusammen. Ein gewichtiges Argument für die Untersuchung - im Interesse der Bürger, und im Sinne der Mitarbeiter. Erlaubt ist dabei nur die Frage, wie tiefgründig die Verwaltung selbst das wirklich kann.

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