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22. September 2017 | 11:57 Uhr

Kontroverse Diskussion

vom

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2011 | 08:23 Uhr

Der Kinderpsychotherapeut Mathias Krase kritisiert das deutsche Bildungssystem. Der 42-Jährige therapiert in seiner brandenburgischen Praxis Kinder und bietet Lehrer-Seminare an. Er glaubt, dass nicht allein die Lernmethoden für das verantwortlich sind, was er "Bildungsmisere" nennt. Mit Benjamin Piel sprach er über Lehrer ohne Menschenkenntnis und Reformen ohne Wirkung.

Ist das deutsche Bildungssystem eigentlich noch zu retten?

Mathias Krase: Ja, aber dafür müsste endlich an der richtigen Stelle angesetzt werden. Reformen um der Reformen willen - davon gab es schon zu viele.

In der Diskussion sind neue Lernmethoden. Beispiel Lerngruppen: Hier lernen Kinder verschiedener Altersgruppen in einer Klasse zusammen. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Ich finde gut, wenn Lehrer sich Gedanken machen, wie sie etwas anders machen können. Allerdings halte ich altersübergreifende Lerngruppen für schwierig. Denn hier wechelt der Lernverband jährlich: Eine neue erste Klasse kommt, eine dritte Klasse geht. Soziale Sicherheit ist deshalb weniger stark gegeben.

Was ist von der Idee zu halten, behinderte Kinder zu integrieren?

Grundsätzlich halte ich Kontakte zwischen beeinträchtigten und nicht-beeinträchtigten Kindern für wichtig. Aber irgendwann merken die beeinträchtigten Kinder: "Ich bin ja doch anders als die anderen." Der Mensch funktioniert eben so, dass er sich vergleicht. Nicht für alle Kinder ist dieses Konzept deshalb sinnvoll.

Und was denken Sie darüber, der Ziffernnote den Krieg zu erklären?

Wir leben in einer Zeit mit wenig Struktur. Kinder fordern umso mehr sicherere Strukturen ein. Eine Ziffernnote kann durchaus eindeutig und gut sein. Natürlich nur dann, wenn Lehrer sie verantwortungsvoll verteilen. Ellenlange Beurteilungen hingegen können verwirrend sein.

Wenn Sie diese Ansätze nicht für wensentlich halten, was ist denn dann der springende Punkt?

Die Lehrerausbildung. Sie muss grundlegend reformiert werden. Erkenntnisse aus der Neurobiologie zeigen, dass der Lernerfolg nicht in erster Linie von den Lernmethoden abhängt. Sondern davon, wie Lehrer mit den Schülern umgehen. Schüler brauchen eine angstfreie Lernumgebung. Das Lehrerstudium schafft Wissen, ist aber viel zu wenig auf den Umgang mit Menschen hin ausgerichtet. Außerdem muss dringend eine Supervision für Lehrer her. Denn die Reflektion des eigenen Handelns ist ungemein wichtig.

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