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11. Dezember 2017 | 10:59 Uhr

Kommunikations-GAU

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2011 | 06:45 Uhr

Nun also doch die Sprossen! Lange tappten die Forscher im Dunkeln und verfolgten falsche Spuren. Die Politik verunsicherte mit immer neuen Wasserstandsmeldungen und parteipolitisch motiviertem Theater die Verbraucher. Doch dürfte gerade die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat geholfen haben, den Anstieg der Infektionen zu dämpfen. Finden sich rohe Sprossen doch nicht nur in vielen gemischten Salaten, sondern auch an Salatbars in Kantinen und Gastronomie. Es war also absolut richtig, dass die Behörden auf Nummer Sicher gegangen sind und die Verbraucher gewarnt haben. Der Aufschrei der Gemüsebauern mag angesichts ihrer Einnahmeausfälle verständlich sein, doch stehen nun als Ausgleich Millionen-Zahlungen aus Brüssel in Aussicht, ebenso wie deutsche Hilfskredite. Wo die Gesundheit von Millionen Verbrauchern bedroht ist, muss Sicherheit im Zweifel eben vorgehen.

Ist die Krise schon ausgestanden? Glaubt man den regierungsamtlichen Einschätzungen, müsste die Erkrankungswelle nun in überschaubarer Zeit abflauen. Alles andere wäre eine Blamage. Das Krisenmanagement und die teils schleppende wissenschaftliche Aufklärung der rasanten Ausbreitung dieses hochgefährlichen Erregers gehören jetzt dringend auf den Prüfstand. Der vielstimmige Chor der Experten von Bund und Ländern, die vielen täglichen Wortmeldungen von Bundes- und Landesministern – all das hat nicht zur allgemeinen Beruhigung beigetragen. Es mag richtig sein, dass die Länder und ihre Behörden über die Sicherheit von Lebensmitteln machen. Doch besser wäre es, wenn die Verbraucher von einer zentralen Stelle mit Autorität informiert würden, was im Seuchenfall gerade Sache ist. Einen neuerlichen Kommunikations-GAU wie bei EHEC darf es jedenfalls nicht noch einmal geben.

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