Kommentar: Mangel macht erfinderisch

svz.de von
03. Januar 2013, 10:35 Uhr

Es ist doppelt tragisch: Durch Manipulation ihrer Ärzte sind sterbenskranke Menschen auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben katapultiert worden. Vorbei an anderen sterbenskranken Menschen, die nun vielleicht nicht mehr erleben werden, dass sich auch für sie ein Spender findet. Denn etwa 1000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr, weil ihnen nicht rechtzeitig Leber oder Niere, Herz oder Lunge transplantiert werden können.

Damit sich daran endlich etwas ändert, hatte die Politik im vergangenen Jahr das Transplantationsgesetz reformiert. Halbherzig, so die Meinung vieler Praktiker, die sich gewünscht hätten, dass jeder sich wenigstens einmal im Leben ausdrücklich für - oder gegen - eine Organspende aussprechen muss. Was Krankenkassen und Politiker mit ihren Appellen nicht erreicht haben, schaffen jetzt Ärzte, die offenbar das Streben nach Bonuszahlungen für besonders viele Transplantationen über das ärztliche Berufsethos stellten: Transplantationsmedizin ist in aller Munde. Jedoch nicht so, wie es im Sinne der 12 000 Menschen wäre, die aktuell in Deutschland auf ein Spenderorgan warten. Die Skandale in Göttingen, Regensburg, München und nun auch Leipzig haben statt dessen dazu geführt, dass immer weniger Deutsche sich bereit erklären, nach ihrem Tod Organe zu spenden.

Dabei ist es gerade der Mangel an Organen, der zu Manipulationen verführt. Gäbe es genug Menschen, die Ja zur Organspende sagten, gäbe es keine Wartelisten für potenzielle Empfänger mehr. Ob für Geld oder das Ego: Es gäbe dann auch nichts mehr zu manipulieren.

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