Splitter : Kobrow I und II – was steckt dahinter?

Wundersame Ortsbezeichnung.
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Wundersame Ortsbezeichnung.

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19. November 2015, 09:38 Uhr

So was gibt es nicht zweimal. Wenn von Kobrow die Rede ist, einer Gemeinde vor den Toren Sternbergs, so müsste eigentlich die (Zusatz-) Frage lauten: Welches Kobrow? Denn es gibt Kobrow I, auch Kobrow Dorf genannt, sowie Kobrow II! Beides gehört zusammen; liegt, von der B 192 kommend, an der Kreisstraße 107.

Und sorgt für reichlich Verwirrung. Auch einst bei Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der 2010 zu seinen Glanzzeiten als medialer neuer „bayerischer Sonnenkönig“ Stargast des CDU-Sommerfestes im Café des Kutschenmuseums in Kobrow II war.

Die Sache mit Kobrow I und II hat schon was von Erich Kästners „Das Doppelte Lottchen“. Doch anders als bei der Verfilmung aus dem Jahr 1950 nach dem berühmten gleichnamigen Buch handelt es sich hier nicht um Zwillinge, die durch die Scheidung ihrer Eltern auseinandergerissen wurden. Denn das doppelte Kobrow gehörte schon immer zusammen, nur dass Kobrow II einst schlicht und einfach Kobrow-Ausbau war.

Kobrow lag – wie der Großteil des ehemaligen Landkreises Sternberg – bis zur DDR-Kreisgebietsreform im Jahr 1952 im Landkreis Wismar. Dann wurde der Kreis Sternberg aus den Taufe gehoben. Und kurze Zeit später erblickte auch Kobrow II das Licht der Welt. „In der Kobrower Chronik wird Kobrow II erstmal 1953 erwähnt“, berichtet Friedrich-Karl Toparkus, der Anfang der 90er Kobrows Bürgermeister war, „wahrscheinlich hat das mit der Bildung des Volkseigenen Gutes Sternberg am 1. 1.’53 zu tun.“

Bis 1945 gab’s in Kobrow-Ausbau zwei Bauernsiedlungen (Jahnert, Graie). Nach der VEG-Gründung wurde Kobrow II aufgesiedelt. Heute stehen hier vier Zwei- und sieben Einfamilienhäuser.

Museumsführer Mathias Rittig (r.) weiß zu jeder Kutsche eine Geschichte.
Museumsführer Mathias Rittig (r.) weiß zu jeder Kutsche eine Geschichte.
 

200-fache Pracht im Kutschenmuseum

Auf über 3000 Quadratmeter sind in fünf Hallen des privaten Mecklenburgischen Kutschenmuseums in Kobrow II mittlerweile über 200 Kutschen, Wagen und Pferdeschlitten sowie zahlreiche Reitaccessoires, Sättel und Zaumzeug zu bewundern. Museumsbetreuer Mathias Rittig, der gemeinsam mit Norbert Schönborn durch die Hallen führt, kann zu jeder Kutsche eine kleine Geschichte erzählen – vom Mercedes unter den Kutschen bis hin zum Kremser. Und jedes Jahr gibt es neue Ausstellungsstücke zu bestaunen.

Nach einer Winterpause ab November wird das Museum erst wieder im März 2016 seine Türen öffnen.

Alles Sternberger Kuchen.
Alles Sternberger Kuchen.
 

Dieser „Kuchen“ ist steinhart und -alt

Wie andere Briefmarken sammeln, so üben auf den Diplom-Geologen Detlef Uebersohn seit Jahrzehnten Mineralien eine Faszination aus. In seinem Kobrower Extra-Kabinett mit aufgemalten sibirischen Mammuts draußen dran hat er in Vitrinen seine Schätze aus (fast) aller Welt feinsäuberlich geordnet.

Doch auch vor Ort findet das geübte Auge des Geologen immer wieder Zeitzeugen. Die Kiesgrube Kobrow etwa ist für Detlef Uebersohn und seine Frau Hannelore geradezu ein Eldorado in Sachen Sternberger Kuchen.

PS: Ein Museumsschild steht draußen; offizielle Öffnungszeiten hat die Schatzkammer freilich (noch) nicht. Doch Interessenten können gerne anrufen unter 03847 - 435174.

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