Kommentar : Knöllchen für Fremdsprachen?

Schon das Wort ist verräterisch und mehr als unsensibel: Die hier lebenden Zuwanderer sollen „angehalten“ werden.

svz.de von
08. Dezember 2014, 07:37 Uhr

Schon das Wort ist verräterisch und mehr als unsensibel: Die hier lebenden Zuwanderer sollen „angehalten“ werden. Angehalten, im öffentlichen Raum und in der Familie, demnach auch zu Hause, Deutsch zu sprechen. Und was bitte, wenn nicht? Klopft dann die Sprachpolizei an die Wohnungstür? Gibt es Knöllchen für Russisch, Türkisch oder Englisch in den eigenen vier Wänden?

Der CSU-Vorschlag ist absurd. Natürlich ist es wichtig und geboten, dass Zuwanderer die deutsche Sprache lernen. Dies geschieht am besten so früh wie möglich von Kindesbeinen an, im Kindergarten und in der Schule. Und auch die Erwachsenen sind hier gefordert, sich über die Sprachkenntnisse zu integrieren und die Angebote anzunehmen. Die Sprache ebnet den Weg zur Integration. Aber Ausländer verpflichten zu wollen, in ihrem Heim nicht ihre Muttersprache, sondern gefälligst die deutsche zu sprechen, ist ein Irrweg.

Der CSU scheint es hier wieder einmal weniger um Integration, denn um Populismus, um das Abdecken des rechten Randes zu gehen. Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Dass die Parteiführung damit den Bemühungen um bessere Integration mehr schadet als nutzt, nimmt sie billigend in Kauf. Doch ein solches Zündeln wird den Christsozialen eher schaden. Für den rechten Rand ist es dagegen Wasser auf die Mühlen.

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