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24. September 2017 | 12:24 Uhr

Knauseriger Wirt sparte am Lehrgeld

vom

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2011 | 09:29 Uhr

Schwerin | Eine junge Frau hatte keinen Erfolg bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Doch sie entdeckte einen anderen Weg: die Einstiegsqualifizierung. 2007 fand sie einen Gaststättenbetreiber, der mit ihr einen Vertrag über die Qualifizierung abschloss. Sie wurde als Auszubildende übernommen. Nach zwei Jahren beendete sie ihre Lehre als Fachkraft im Gastgewerbe. Allerdings war sie der Ansicht, dass ihr ehemaliger Ausbilder ihr einen Teil der Vergütung vorenthielt. Vor dem Arbeitsgericht Schwerin begehrte sie eine Nachzahlung in Höhe von rund 4000 Euro.

Das Gericht erkundete zunächst eine gütliche Einigung. Die Anwältin des Beklagten sah keinerlei Fehlverhalten bei ihrem Mandanten und lehnte kategorisch eine Nachvergütung ab. Sie betonte: "Die Qualifizierung ist lediglich ein Praktikum, und ein solches wird üblicherweise nicht vergütet." Da könne die Klägerin nun plötzlich keine Nachzahlung fordern. Dies widerspräche der Richtlinie. Der Beklagte habe sich damals bei der IHK erkundigt und den Zuschuss für diese Maßnahme bei der Arbeitsagentur beantragt. Die monatliche Förderung von 192 Euro habe er an die Klägerin weitergereicht. Der Anwalt der Klägerin erwiderte, dass eine Vergütung über die Fördersumme hinaus nicht nur zulässig, sondern auch angemessen sei.

Im dritten Lehrjahr habe ihr Mandant seiner Auszubildenden 320 Euro gezahlt, erklärte die Anwältin. Die Klageseite verwies auf den Tarifvertrag, nach dem im dritten Lehrjahr 480 Euro zu zahlen seien. Der Wirt verkündete sogleich resolut, er sei in keinem Arbeitgeberverband und daher gelte für ihn der Tarifvertrag nicht. Der Richter widersprach: Es gelte die Regelung, wonach die Ausbildungsvergütung den Tariflohn nicht mehr als 20 Prozent unterschreiten darf. Sonst könne der volle Tariflohn geltend gemacht werden. Nach einem kurzen Blick in den Ausbildungsvertrag tat die Anwältin des Beklagten kund, dass im Vertrag die monatliche Ausbildungsvergütung auf 420 Euro fixiert wurde, und schlug vor, dass der Wirt die fehlenden 1200 Euro nachzahlt. Die angeblichen Überstunden müsse die Klägerin entsprechend einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts einmal nachweisen, außerdem habe sie 16 Tage Urlaub genommen. Allerdings stehen ihr laut Vertrag mehr Urlaubstage zu und ihr Berichtsheft bezeuge nicht selten eine Sechs-Tage-Woche und diverse Überstunden, warf der Anwalt der Klägerin ein. Der Richter schlug vor, dass der Beklagte die 1200 Euro Vergütung und 300 Euro Urlaubsgeld nachzahlen soll. Nach kurzer Beratung stimmten beide Parteien dem Vergleich zu.

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