Klima und Geldbeutel schonen

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Beim Lesertelefon extra gaben Carola Kretschmer, Marco Lange, Nico Skiba und Andreas Wanitschke Auskunft zu allen Fragen rund um die Energie.

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09. Oktober 2008, 11:02 Uhr

Ich möchte eine Solaranlage bauen, um damit das ganze Jahr über mein Warmwasser zu erzeugen. Geht das?
Ganzjährig funktioniert das in unseren Breiten nicht. Wenn Sie Ihre Gesamtkosten für Heizung und Warmwasser senken wollen, könnten sie noch darüber nachdenken, eine solarthermische Anlage mit Heizungsunterstützung zu installieren.

Ich habe ein altes Einfamilienhaus von 1978 mit einer 17 Jahre alten Ölheizung. Macht eine Ölbrennwert-Anlage kombiniert mit einer Solaranlage Sinn?
Grundsätzlich ja, zumal es für eine solche Investition und insbesondere die Kombination beider Systeme Zuschüsse vom Staat gibt. Bei Umrüstung ist es aber ratsam, auch über andere Alternativen nachzudenken. Mit der Ölbrennwert-Anlage mit Solar kann man bis zu 30 Prozent der Heizkosten einsparen, mit einer Luft-Wärme-Pumpe bei geringerer Investition schon 50 Prozent.

Ich kann die mit Luftschicht gemauerten Wände meines Hauses nicht von außen dämmen. Welche anderen Möglichkeiten gibt es?
Das Hohlmauerwerk lässt sich mit einer Einblasdämmung sehr effektiv dämmen. Dafür werden einzelne Klinker herausgenommen und ein zugelassener Dämmstoff in die Hohlschicht eingeblasen.

Bin ich nach der neuesten Energieeinsparverordnung verpflichtet, die alte Heizung auszutauschen und Dämmmaßnahmen durchzuführen?
Nein. Aber wenn Sie bauliche Veränderungen vornehmen wollen, müssen Sie die aktuellen energetischen Anforderungen beachten. Hat man aber eine alte Heizungsanlage, sollte man trotzdem über eine Erneuerung nachdenken. So eine Investition lohnt sich immer.

Wenn es um das Einsparpotenzial durch einzelne Investitionen geht, wird von hohen Prozentsätzen gesprochen. Wie realistisch sind diese?
Pauschale Aussagen sind nicht möglich, weil das Einsparpotenziell vom Zustand des Hauses abhängt. Wichtig ist eine Bestandsaufnahme durch einen Energieberater und dass verschiedenste Modernisierungsvorschläge erarbeitet werden. Dabei sollte folgender Grundsatz gelten: Erst den Wärmebedarf senken, dann die Effizienz erhöhen und dann erneuerbare Energien einsetzen. Um den Wärmebedarf zu senken, muss das Haus energetisch saniert werden. Die Effizienz der Anlage kann durch einen Heizungscheck erhöht werden. Und dann kann man über erneuerbare Energieträger nachdenken.

Wieviel Dämmung soll ich auf die Fassade meines Hauses aufbringen?

Nicht so viel wie nötig, sondern so viel wie möglich. Wenn es geht, streben sie Passivhaus-Standard an. Das ist der derzeit höchstmögliche Standard.

Wie finde ich einen Gebäudeenergieberater im Handwerk?
Adressen bekommen Sie unter anderem bei den Handwerkskammern, bei den Kreishandwerkerschaften und einzelnen Innungsverbänden.

Wie viel Geld bekomme ich, wenn ich Solarstrom ins öffentliche Netz einspeise?

Die Vergütung richtet sich nach der Anlagengröße. Für Anlagen bis 30 kWp, die in diesem Jahr ans Netz gehen, beträgt sie 46,75 Cent/kWh. Diese Vergütung ist für 20 Jahre garantiert und ist im Erneuerbare Energiengesetz (EEG) verankert.

Wird eine Investition in Fotovoltaik gefördert?
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Darlehen an. Das Darlehen über das KfW-Programm „Solarstrom erzeugen“ wird bei der Hausbank beantragt, Informationen gibt es unter www.kfw-foerderbank.de.

Kann ich den Strom auch selbst nutzen?
Ja, ein Einspeisezwang besteht nicht. Allerdings ist die Selbstnutzung zurzeit wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die Einspeisevergütung deutlich über dem Preis für den Bezug von Strom liegt. Sollten in der Zukunft die Strompreise so stark steigen, dass der Preis für eine Kilowattstunde vom Energieversorger höher ist als die Einspeisevergütung, werden die Besitzer von Fotovoltaik-Anlagen sicher ihren erzeugten Strom selbst nutzen.

Wie viel Fläche wird für eine Solarstrom-Anlage benötigt?
Im Durchschnitt kann man auf acht Quadratmetern Dachfläche mit kristallinen Modulen etwa 1 kWp Anlagenleistung installieren. Für ein Einfamilienhaus sind vier kWp eine gängige Größenordnung, dafür würde man also 32 bis 40 Quadratmeter benötigen.

Welche Arten von Solar-Modulen gibt es?
Es gibt derzeit kristalline Module und Dünnschicht-Module. Ihr Einsatz ist abhängig von den Bedingungen am Installationsort. Kristalline Module eignen sich für Orte mit einer möglichst direkten Sonneneinstrahlung. Geneigte Dachflächen, die nach Süden ausgerichtet sind, erzielen mit diesem Typ die besten Resultate. Bei weniger günstigen Bedingungen sind die Dünnschicht-Module im Vorteil. Sie verarbeiten diffuses Licht besser und können auch sehr gut an Fassaden, auf großen Flächen oder mit einer ungünstigen Ausrichtung installiert werden.

Lohnt es sich, ein Haus mit einer Wärmepumpe nachzurüsten?
In den meisten Fällen lassen sich die Energiekosten durch den Einbau einer Wärmepumpe reduzieren. Im Altbau erreicht die Pumpe jedoch nicht den maximalen Wirkungsgrad, der sich in einem Neubau erzielen ließe. Um möglichst wirksam zu arbeiten, sollte der Einsatz einer Wärmepumpe idealerweise an ein Niedertemperatur-Heizsystem wie Wand- oder Fußbodenheizung gekoppelt sein, was in Bestandsgebäuden zumeist nicht gegeben ist.

Welche Typen von Wärmepumpen gibt es?
Alle Wärmepumpen arbeiten nach dem gleichen physikalischen Grundprinzip, der Unterschied liegt in der Art der Wärmequelle, die genutzt wird. Dafür kommen die Außenluft, wasserführende Schichten des Bodens in Tiefen bis 100 Meter und Oberflächenthermie in geringerer Bodentiefe von 80 bis 120 Zentimetern in Frage. Gleich bleibend ist der Kompressor in der Wärmepumpe.

Ich habe einen Holzvergaser einbauen lassen und bar bezahlt. Bekomme ich Fördermittel?
Von der KfW hätten Sie im Prinzip Fördermittel bekommen können. Allerdings muss der Antrag vor Kauf oder Einbau gestellt werden, so dass Sie nun nichts erhalten können. Anders ist es bei der Förderung von Biomasseverfeuerungsanlagen über das Marktanreizprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Dafür muss der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach Herstellung der Betriebsbereitschaft der Anlage gestellt werden. Förderfähig sind Vorhaben, die ab dem 16. Oktober 2006 begonnen wurden und fertig gestellt sind. Für Scheitholzvergaserkessel von 15 bis 50 kW Nennwärmeleistung kann es beispielsweise einen Zuschuss von 1125 Euro geben, wenn die Anlage über einen ausreichend großen Pufferspeicher verfügt. Ob eine bestimmte Anlage förderfähig ist, kann man im Internet unter www.bafa.de herausfinden.

Ich habe ein altes Haus gekauft. Jetzt möchte ich das Dach dämmen und ausbauen, innen modernisieren und eine Solaranlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung installieren. Wie soll ich vorgehen?
Zunächst sollten Sie einen Energieberater zu Rate ziehen, der den Zustand des Hauses prüft und sagt, welche Investition nötig ist, um ein zukunftssicheres Energieniveau zu erreichen. Anzustreben ist Neubaustandard nach Energieeinsparverordnung 2007. Schaffen Sie das, können Sie das CO2 -Gebäudesanierungsprogramm der KfW nutzen. Dort liegt der Zinssatz aktuell bei 2,88 Prozent effektiv. Zusätzlich kann ein Tilgungszuschuss von fünf Prozent des Kreditbetrages gewährt werden. Erreichen Sie den Neubau-Standard nicht, können Sie alternativ über das Programm „Wohnraum modernisieren“ gefördert werden, bei dem der Zinssatz allerdings höher ist.

Ich will ein uraltes Haus entkernen und neu aufbauen und zwar ohne Kredit. Kann ich von der KfW Zuschüsse bekommen?
Unter diesen Umständen ist es wahrscheinlich, dass das Haus Neubaustandard erreicht. Dann können Sie über die Zuschuss-Variante des CO2 -Gebäudesanierungsprogramms zehn Prozent der Investitionskosten, höchstens 5000 Euro, bekommen. Liegen die Werte mehr als 30 Prozent unter Neubaustandard, bekommen Sie sogar 17,5 Prozent, maximal 8750 Euro.

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