Kleine Dorf-Läden sterben aus

Das gibt es im Supermarkt nicht: Kundin Lore Krause darf auch schon mal hinter den Ladentisch zu Edeltraut Statewitsch treten.
Das gibt es im Supermarkt nicht: Kundin Lore Krause darf auch schon mal hinter den Ladentisch zu Edeltraut Statewitsch treten.

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22. Januar 2010, 12:13 Uhr

Güstrow | Die Tante-Emma-Läden auf dem Land drohen auszusterben. Nur noch 20 gibt es nach Informationen der Gewerbeämter der sechs Ämter im Kreis (siehe Statistik) in den 56 Gemeinden, zu denen 324 Dörfer gehören. Die meisten - sieben - gibt es im Amt Güstrow-Land, die wenigsten - eins - im Amt Bützow-Land. Die Tendenz nach unten sei seit der Wende, als der Konsum noch nahezu flächendeckend in den Dörfern vertreten war, ungebrochen, so Tino Beig, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord.

Gründe sind der demografische Wandel und ein Überangebot in den Städten. "Das vermindert die Kaufkraft im ländlichen Bereich", erklärt Beig. Kleinere Läden könnten das nicht kompensieren und müssten aufgeben. Auch die mobilen Händler würden zu dieser Entwicklung beitragen, so der Einzelhandelsexperte. Trotz dieser Tendenz würden die über 4000 Lebensmittelhändler im Land aber eine "Nahversorgung der Bevölkerung" von 82 Prozent abdecken, berichtet Beig.

Gutow: Kontakt mit den Kunden der Vorteil

Edeltraut Statewitsch gehört zu den 20 Inhabern eines Tante-Emma-Ladens auf dem Land. Seit 1999 führt die Güs trowerin ihn in Gutow. Die 57-Jährige entschied sich damals dafür, weil sie als Sekretärin arbeitslos wurde. Den Laden, einen ehemaligen Konsum, in den 1950er-Jahren erbaut, kaufte sie. "Wenn ich noch Miete zahlen müsste, würde es gar nicht funktionieren", sagt sie. Mitten im Dorf und an einer Hauptstraße in die Richtungen Schwerin und Goldberg hat das Geschäft eine sehr gute Lage. Außerdem hat sie Stammkunden. Ein großer Vorteil gegenüber dem großen Supermarkt ist der persönliche Kontakt. Wenn z.B. Lore Krause in den Laden kommt, muss die 78-Jährige gleich berichten, wie sich die Enkelin entwickelt hat, die am 28. Dezember 2009 geboren wurde.

Waltraud Sebastian hält die Stellung im Amt Bützow-Land. Nur noch in Bernitt gibt es dort einen Lebensmittelladen. Waltraud Sebastians "Geheimnis" bei allen Schwierigkeiten, sich zu behaupten, ist die Vielseitigkeit. Lebensmittel sind nur eine Seite. Sie bietet außerdem Partyservice, Paketshop, sie ist Postagentur und hat für jeden Donnerstag einen Fischer geordert.

Auch sie sagt: "Reich wird mit einem solchem Geschäft keiner, aber es ist ausreichend und bereitet Spaß." Die 62-Jährige möchte, dass das Geschäft in Bernitt bleibt. "Ich mache bis zum 65. Geburtstag, dann ist Schluss." Damit es weiter geht, arbeitet sie einen Nachfolger ein.

Einer, der die Sonnen- und Schattenseiten kennt, ist Siegmar Krüger. Seit 1989 führt er in Groß Tessin ein Geschäft mit Lebensmitteln, Imbiss und vielen Getränken. Krüger profitiert von der guten Lage und davon, dass er seit über 20 Jahren dabei ist. In Charlottenthal, wo er 2005 einen Laden aufmachte, musste er die Segel streichen. 2008 war Schluss. "Es rechnete sich nicht mehr." Er sieht die Gründe, dass es immer weniger kleine Läden in Dörfern gibt, in der schwindenden Zahl der Einwohner und im Bau der Großmärkte. Krüger: "Seit fünf, sechs Jahren macht mir Krakow am See zu schaffen. Dort entstanden mehrere größere Märkte."

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