Klappe zu?

svz.de von
05. Juni 2012, 09:40 Uhr

Hamburg | Bei jedem Fund einer Babyleiche wird erneut darüber diskutiert, ob Babyklappen oder die Möglichkeit zur anonymen Geburt das Leben des kleinen Menschen hätten retten können. Kritiker sagen nein, denn Frauen in extremen psychsichen Ausnahmezuständen könne man über diese Angebote nicht erreichen. Dazu kommt, dass Babyklappen für viele Frauen auch im wahrsten Sinne unerreichbar sein können, in Mecklenburg-Vorpommern betreiben beispielsweise lediglich die Schweriner Helios-Kliniken und das Rostocker Südstadt-Klinikum jeweils eine Babyklappe.

Im April vor zwölf Jahren wurde in Hamburg die erste Babyklappe Deutschands eröffnet. Mittlerweile gibt es bundesweit fast 100 dieser Einrichtungen. In ganz Deutschland wurden 278 Kinder (Stand Ende 2010) in einer Babyklappe abgelegt. Dazu kommen nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts 43 Kinder, die Mitarbeitern des jeweiligen Trägers anonym übergeben wurden, und 652 Kinder, die anonym geboren wurden, das heißt, die Mütter konnten in der Klinik Angaben zur Person verweigern. Die Studie zeigte allerdings auch unzureichende Reglungen bei der Dokumentation des Verbleibs dieser Kinder: Von 200 Mädchen und Jungen verlieren sich der Studie zufolge die Spuren.

Auch sonst sind Babyklappen, in die Frauen ihr Neugeborenes anonym legen und damit zur Adoption freigeben können, in rechtlicher und ethischer Hinsicht umstritten. So begehen Kliniken rechtlich "Beihilfe zur Personenstandsfälschung", da die Kinder eigentlich ein Recht auf Auskunft über ihre Herkunft haben. Der Deutsche Ethikrat hatte bereits 2009 mehrheitlich empfohlen, die Angebote zur anonymen Kindsabgabe zu schließen. Das Bundesfamilienministerium strengt seit dem Frühjahr neue gesetzliche Regelungen für Babyklappen und anonyme Geburten an. Neue Babyklappen sollen demnach nicht mehr eröffnet, bestehende allerdings weiter geduldet werden. Ziel ist es, den betroffenen Kindern zehn Jahre nach der Geburt einen Informationsanspruch über ihre Herkunft zu geben. Die Anonymität der Mütter soll bis dahin gesetzlich garantiert werden.

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